Wilhelmsburg, 2. Dezember 1999: Ein knall zerreißt die abendliche Stille. – Startschuß für einen langwierigen und dramatischen Feuerwehreinsatz. Der Conrad-Lester-Hof ist eine typische Wohnsiedlung der 70er Jahre mit viergeschossigen Objekten, die in geschlossener Bauweise errichtet wurden. Die Häuser werden gerade saniert. Im Zuge der Errichtung einer Blitzschutzanlage wird ein Gasrohr beschädigt.

Völlig korrekt werden EVN und Gendarmerie verständigt, der Schaden wird behoben, Messungen ergeben keine Konzentration und die Bewohner kehren wieder in das Haus zurück. Kurz später ist wieder Gasgeruch wahrnehmbar … Um 18.34 Uhr kommt es zu einer  Explosion, die kilometerweit zu hören ist. – Zwei Minuten später heulen in Wilhelmsburg die Sirenen. Den Feuerwehrmitgliedern bietet sich kurz darauf ein Bild des Grauens.

Das Haus Nr. 4 ist „eingeebnet“, von dem viergeschossigen Bau mit zwölf Wohneinheiten ist ein nur ein meterhoher Trümmerhaufen geblieben, das Objekt links, nur durch die Feuermauer vom zerstörten Objekt getrennt, wirkt nur leicht beschädigt, meterweit hängt aber die Dachkonstruktion ins Leere. Das Haus rechts – getrennt durch einen Durchgang wirkt ebenso unbeschadet, lediglich die Reste eines Gerüstes hängen lose an der Fassade. Die PKW am Vorplatz sind von durch Splitter regelrecht durchlöchert, in der gegenüberliegenden Fassade stecken Eisen- und Mauerteile, Fenster sind gesprungen …. Starker Gasgeruch ist spürbar. Mutmaßungen sprechen von bis zu 40 Opfern bzw. Verschütteten.

30 Stunden standen rund 700 Feuerwehrmitglieder bis zur Erschöpfung im Einsatz. Die dramatische Suche nach Überlebenden war nur durch straffe Organisation zu bewältigen.  Für die FF Wilhelmsburg unter dem heutigen EHBI Heinz Fixl steht fest: Absperren- Evakuierung – Beginn der Rettungsmaßnahmen – weitreichende Verstärkung. Mit den Feuerwehrkränen aus St. Pölten und Krems kann die auf den Trümmern liegende Dachkonstruktion gehoben und damit der Zugang zu den Resten des Hauses geschaffen werden. Alles weitere kann aus Rücksicht auf die Verschütteten nur händisch erfolgen. Der größte Erfolg ist die Rettung eines Mädchens nach über zehn Stunden.

Alle Feuerwehren des Bezirkes St. Pölten, aus dem Raum Lilienfeld, Sondereinheiten, Bundesheer, Rotes Kreuz und Samariter leisten einen von gewaltigem Medienrummel begleiteten Großeinsatz, alle zwei Stunden wird abgelöst. Geführt wird durch eine Einsatzleitung vor Ort und den Bezirksführungsstab.

Nach fast 30 Stunden ist der Platz besenrein und die Bilanz steht fest: 10 Todesopfer! Unter den Toten sind auch Angehörige von Feuerwehrmitgliedern.

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