Vor 25 Jahren: Brandkatastrophe im Tauerntunnel

von | Mai 29, 2024 | aus der Geschiche, News | 0 Kommentare

Salzburger Landeskorrepondenz: „Der Brand im Tauerntunnel war eine Zäsur in Salzburg. Zwei Monate davor brannte es ja auch im Mont Blanc-Tunnel. Und spätestens ab dem Brand bei uns im Tauerntunnel setzte ein umfassendes Umdenken und Nachdenken ein, wie man die Verkehrssicherheit verbessern kann und auch in den Abläufen des Katastrophenschutzes effektiver wird“, so Markus Kurcz, Leiter des Katastrophenschutzes des Landes Salzburg

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Artikel des Verfassers in Brandaus 1999

300 Millionen Euro für Tauern- und Katschbergtunnel

Die Investitionen in die Tunnelsicherheit betraf vor allem den Bau von zweiten Tunnelröhren sowie Bestandssanierungen. Für den Katschberg- und Tauerntunnel zusammen wurden laut Informationen der ASFINAG mehr als 300 Millionen Euro investiert. Einen wesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Tunnelsicherheit in Österreich leistete auch die Europäische Union. Bis April 2019 mussten Tunnel mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als 20.000 Fahrzeugen pro Tag mit einer zweiten Tunnelröhre ausgestattet werden. Aktuell betreibt die ASFINAG in Österreich 168 Tunnelanlagen mit einer Gesamtlänge von 413 Kilometer.

Tunnelsicherheit wird laufend besser

Täglich wird auf Salzburgs Straßen an der Sicherheit der Tunnel gearbeitet. So wird derzeit die Tunnelkette zwischen Golling und Werfen auf der Tauernautobahn saniert. Ein weiteres Beispiel: Das Land Salzburg als Eigentümer investiert bis 2030 fast 95 Millionen Euro in die Verbesserung der Verkehrssicherheit im Schmittentunnel in Zell am See. Dort werden zwölf Flucht- und Rettungsstollen errichtet, um im Ernstfall die schnellere Flucht aus dem Tunnel zu gewährleisten und die rasche Zufahrt für die Einsatzkräfte zu ermöglichen.

Kurcz: „Katastrophen änderten vieles.“

Für die Behörden und Einsatzorganisationen markierten die Brand-Katastrophen im Tauerntunnel und dann rund eineinhalb Jahre später in Kaprun ein Umdenken in vielen unterschiedlichen Bereichen. Das Landes-Medienzentrum (LMZ) hat mit dem Leiter des Katastrophenschutzes des Landes Markus Kurcz zu den Sonderalarmplänen, Kommunikation, Krisenintervention oder auch die Ausbildung der Einsatzkräfte gesprochen.

LMZ: Welche Auswirkungen hatte der Brand im Tauerntunnel auf das Zusammenspiel zwischen Behörden und Einsatzorganisationen?

Kurcz: Vor allem die Zusammenarbeit zwischen der Behörde und den Einsatzorganisationen wurde Schritt für Schritt umgestellt. So wurden beispielsweise die Sonderalarmpläne für kritische Infrastruktur, etwa Tunnel, Kraftwerke oder Krankenhäuser verfeinert und vereinheitlicht. Ebenfalls wurden diese Pläne vereinheitlicht in allen Bezirken ausgerollt. Das war ein langer Weg, aber im Sinne der Sicherheit der Bevölkerung der absolut Richtige.

LMZ: Wie sehen diese Änderungen in der Praxis aus?

Kurcz: Die Sonderalarmpläne wurden überarbeitet, insbesondere für die Startphase eines Schadenfalles. Die ersten Einsatzminuten zum Beispiel bei einem Brand oder Chemieunfall sind entscheidend, da muss jeder Handgriff sitzen, um die Chaosphase rasch überbrücken zu können. Mittels einer Übersicht für alle Einsatzkräfte werden alle möglichen Szenarien behandelt.

LMZ: Welche Maßnahmen werden dann in der Folge festgelegt?

Kurcz: Dabei wird festgelegt, wo und wie die Einsatzkräfte arbeiten können, welche Absperrradien es braucht und wie Umleitungen organisiert werden können. Das ist deshalb so wichtig, um für die nicht unmittelbar betroffene Bevölkerung eine möglichst große Alltagsroutine aufrechtzuerhalten. Die Anzahl der Sonderalarmpläne wurden deutlich reduziert, denn Qualität geht vor Quantität. Für allgemeine Einsätze wurden allgemeine Sonderalarmpläne erstellt.

LMZ: Hat man sich auch noch andere Aspekte bei einem Krisenfall angesehen?

Kurcz: Ja, insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit. Beim Brand im Tauerntunnel war die Arbeit der Einsatzkräfte hervorragend. Die Öffentlichkeitsarbeit und Krisenkommunikation spielte aber nur eine kleine Rolle. Das hat sich danach – insbesondere nach Kaprun – dann massiv verändert. Ein gutes Beispiel war das Schnee-Ereignis im Jänner 2019, als der Katastrophenschutz wie so oft intensiv mit dem Landes-Medienzentrum zusammengearbeitet hat und so die Bevölkerung auf allen Kanälen des Landes gesichert informieren konnten. Auch die Krisenintervention – für Angehörige, Beteiligte oder Rettungskräfte – wurde nach dem Mai 1999 verstärkt in die Einsatzführung integriert.

LMZ: Gab es auch Änderung bei der Ausbildung von Einsatzkräften?

Kurcz: Die Arbeit der Einsatzkräfte ist perfekt, die Mitglieder stehen ständig im Training und das Niveau ist in Salzburg sehr hoch. Was wir geändert haben, sind Aspekte bei der Ausbildung von Einsatzleitern. Beispielsweise kennen sie bei Übungen, die von den Behörden vorbereitet werden, nicht das Drehbuch. Das hat die Art des Trainings massiv verbessert, weil damit die Komplexität der Führungsverantwortung realistischer abgebildet wird.

LMZ: Wie oft sollten große Schadenereignisse trainiert werden?

Kurcz: Dazu gibt es verpflichtende gesetzliche Übungsintervalle, etwa bei Autobahntunnel, Bergbahnen oder untertätige Bergbaue. Landesweite Übungen mit Einsatzkräfte im Gelände, wie im April im Lungau, werden im Schnitt einmal jährlich durchgeführt. Die Vorbereitungszeit dafür ist sehr lange. Besonders spannend sind Übungen, in denen die Interaktion zwischen Organisationen und Behörden trainiert wird. Bei der Ausbildung zur Stabsarbeit setzen wir hier ganz stark auf diese Zusammenarbeit, darum sind alleine heuer fünf Stabsübungen in Salzburg geplant. Der Mehrwert dieser Übungen ist, dass sich die Beteiligten damit für den Ernstfall bereits kennen und eingespielt sind.

LMZ: Welche aktuellen Herausforderungen in Ihrer Arbeit als Katastrophenschützer sehen Sie aktuell?

Kurcz: Die Kommunikation im Krisenfall ist ein sehr komplexer Aspekt. Wenn die Einsatzorganisationen und Behörden nicht mehr im herkömmlichen Wege via Telefon oder Mail kommunizieren können, zum Beispiel bei einem Blackout, gewinnt der digitale Bündelfunk an Bedeutung. Die Arbeit damit ist aber nicht leicht und muss laufend trainiert werden, denn es ist eine komplett andere Art der Kommunikation, da sie sich ausschließlich auf Sprache reduziert und ganz ohne die Vorteile der sonst allgegenwärtigen Digitalisierung auskommen muss.

www.salzburg.gv.at

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