Tirol ist Hoch-Risikogebiet für Waldbrände: Zusätzliche Ausrüstung für Tiroler Feuerwehren

von | Jun 30, 2021 | News | 0 Kommentare

Waldbrand-Risikokarte stuft die Bezirke Imst, Innsbruck-Land, Schwaz und Lienz in die höchste Risikokategorie1.1 Mio. Euro aus dem Waldfonds stehen bis 2024 für die Waldbrandprävention in Tirol zur VerfügungHeuer bereits 200 Alarmierungen und 72 Wald- und Wiesenbrände, die ein Eingreifen der Feuerwehren in Tirol erfordertenSpezialausbildung der Tiroler Feuerwehrmitglieder zur Waldbrandbekämpfung wird weiter forciert und auch an die Bundesländer Österreichs weitergegeben. Bislang hat das Land Tirol die Feuerwehren über den Landesfeuerwehrfonds bei der Anschaffung von Gerätschaften zur Waldbrandbekämpfung unterstützt. Zusätzliche Gelder aus dem Waldfonds werden zukünftig vom Bund zur Verfügung gestellt, um die Ausrüstung der Tiroler Feuerwehren zu erweitern.

Über 100 Alarmierungen zu Wald- und Wiesenbränden im Juni
„Bereits im ersten Halbjahr 2021 alarmierte die Leitstelle Tirol rund 200 Mal die Tiroler Feuerwehren aufgrund von Wald- und Wiesenbränden. Allein im Juni wurden rund 100 Alarmierungen dazu verzeichnet“, informiert Sicherheitslandesrat LHStv ÖR Josef Geisler und ergänzt, „dass die Feuerwehren im ganzen Land schon jetzt für derartige Einsätze gut gerüstet und hervorragend ausgebildet sind.“ Landes-Feuerwehrkommandant Ing. Peter Hölzl berichtet, „dass es sich bei 72 Alarmierungen tatsächlich um Brandereignisse herausgestellt hat, die ein Handeln der Feuerwehr erforderten.“ 
Herausforderung Waldbrand
Wie umfassend Löscharbeiten bei Waldbränden sein können, zeigen Ereignisse aus den letzten Jahren: „Vier Tage lang bekämpften am Hochmahdkopf in Absam über 1.000 Feuerwehr-Einsatzkräfte einen Waldbrand, der 2014 ca. 50ha Wald zerstörte – darunter auch wertvolle Schutzwaldflächen. Acht Hubschrauber unterstützten die Löscharbeiten mit 2.000 Flugbewegungen, die durch die Feuerwehr koordiniert werden mussten“, erinnert sich Hölzl an das Großereignis. Aber auch in der vergangenen Zeit wurden die Feuerwehren bei Waldbränden wie in Patsch, Absam oder Kirchdorf gefordert. Stets steht dabei die Einsatztaktik im Vordergrund, erklärt Landes-Feuerwehrinspektor DI Alfons Gruber: „Gerade in den ersten Minuten ist ein möglichst umfassender Löschangriff das oberste Gebot, um eine Ausbreitung des Brandes gar nicht erst zuzulassen. Daher werden bereits bei kleineren Bränden, die jedoch ein hohes Gefahrenpotential darstellen, mehrere Feuerwehren und Spezialkräfte von Beginn an eingesetzt.“
Waldbrand-Risikokarte zeigt hohes Risiko in Tiroler Beziken
LHStv Geisler hält fest, dass man „aufgrund der Klimaveränderung in Zukunft mit einer weiteren Zunahme des Waldbrandrisikos aufgrund von Trockenperioden rechnen muss.“ Waldbrände verursachen nicht nur enormen finanziellen Schaden, sondern mindern auch die Schutzfunktion der Wälder und erhöhen die Anfälligkeit für andere Naturgefahren.
Im Detail hat das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus im Jahr 2020 eine Österreich-Karte zum Waldbrandrisiko herausgegeben. Berücksichtigt wurden dabei auch sämtliche in der österreichischen Waldbrand-Datenbank erhobenen Waldbrände von 2001 bis 2020. „Aus dieser Karte geht hervor, dass mit Ausnahme des Außerfern alle Bezirke in Tirol ein mittleres bis sehr hohes Waldbrandrisiko aufweisen“, so Geisler.

Auch die Landes-Forstabteilung beschäft sich seit längerem mit dem Thema Waldbrandrisiko und das Thema findet sich auch in der Tiroler Waldstrategie 2030 wieder, wie der Vorstand der Abteilung Waldschutz im Land Tirol HR DI Christian Schwaninger informiert. „Intensiviert wird auch die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern der Abteilung Forst mit den Feuerwehren, dass dann im Einsatzfall wertvolle Informationen aus dem Wald bei den Feuerwehren ankommen und die Einsatzabwicklung unterstützen. Bereits 60 Mitarbeiter wurden dahingehend an der Landes-Feuerwehrschule geschult und die Zusammenarbeit wächst“, so Schwaninger. Der Klimawandel führt grundsätzlich zu einer Verschärfung der Situation und es gibt immer mehr längere Trockenperioden, die zu einem rascheren Brandgeschehen führen können. Daher ist wichtig, dass die Brandekämpfung rasch erfolgt, die Einsatzkräfte schnell vor Ort und entsprechend ausgerüstet sind – nur so kann ein Ausbreiten des Feuers bestmöglich verhindert werden. Daher begrüßt man, dass hier nun zusätzliche Mittel aus dem Waldfonds bereit stehen und spezielle Ausrüstungsgegenstände für die Feuerwehren angeschafft werden können.
Zusätzliche Mittel aus Waldfonds für Waldbrandprävention
Zukünftig stehen über den Waldfonds des Bundes zusätzlich forstliche Mittel für die Waldbrandbekämpfung zur Verfügung. Konkret bedeutet das für Tirol, dass bis 2024 1.1 Mio. Euro bereit stehen. „Durch diese Mittel ist es möglich, ausgehend vom bereits sehr hohen Standard, die Ausrüstung nochmals zu erweitern“, freut sich Geisler über zusätzliche Spezialausrüstung für die Tiroler Feuerwehren.
Beschaffungsplan für die Tiroler Bezirke
Für eine wirkungsvolle Verteilung der Mittel erstellte Landes-Feuerwehrinspektor Gruber gemeinsam mit den Verantwortlichen im Landes-Feuerwehrverband einen Beschaffungsplan, damit in den Risikogebieten flächendeckend entsprechende Ausrüstung in den Feuerwehren stationiert ist: „Angeschafft werden vorwiegend Transportgefäße für Hubschrauber, Löschmittelbecken- und Behälter für die Wasserversorgung, Löschrucksäcke und Spezialwerkzeuge zur Waldbrandbekämpfung“, fasst Gruber die geplante Mittelverwendung zusammen. „Dieser Plan wurde mit den Bezirks-Feuerwehrverbänden abgestimmt und die Bestellungen werden nun über die örtlichen Feuerwehren getätigt“, informiert Gruber über die weiteren Schritte. „80% der Kosten können dabei vom Waldfonds getragen werden, die restlichen 20% finanziert das Land Tirol durch den Landesfeuerwehrfonds“, ergänzt Geisler die Details zur Finanzierung.
Österreichweit einzigartige Ausbildungen im Bereich Waldbrand
„Die Wahl der richtigen Einsatztaktik, Schnelligkeit, eine solide Ausbildung der Feuerwehrkräfte sowie moderne Ausrüstung sind die wesentlichen Bausteine für eine sichere und erfolgreiche Brandbekämpfung“, fasst Gruber die Situation zusammen. Daher ist man in Tirol stolz, bereits seit Jahren spezielle Lehrgänge im Bereich Waldbrand anzubieten: „Die Waldbrandbekämpfung am Boden ist kräfteraubend, anstrengend und gefährlich“, schildert Hölzl die Situation bei Einsätzen im Gelände und ergänzt, dass „gerade beim Lehrgang für Bodenbrandbekämpfung nach dem „Train the Trainer“ Prinzip Fachwissen vermittelt wird, welches die Teilnehmer bei Schulungen und Übungen in den Bezirken und Ortsfeuerwehren an die Mannschaft weitergeben. Anhand vieler Übungsberichte in den Feuerwehren erkennt man, dass die Feuerwehren sich intensiv mit dem Thema beschäftigen.“ In Tirol werden hier auch Feuerwehrmitglieder aus ganz Österreich ausgebildet.

Aber auch im Bereich der Führungskräfte beschäftigt man sich seit längerem mit der Ausbildung zum Thema Waldbrand, da sich diese von klassischen Zimmerbränden oder technischen Einsätzen wesentlich unterscheiden. Seit ca. fünf Jahren findet in Tirol eine österreichweite Ausbildung für „Fliegerische Einsatzleiter“ statt, bei welcher der koordinierte und strukturierte Einsatz von Luftfahrzeugen gelehrt wird. Hubschrauber unterstützen die Feuerwehren beim Waldbrand durch Löschwassertransporte, Erkundungsflüge und das Einfliegen von Einsatzkräften und Gerätschaften an den Brandort, denn durch die alpine Lage in Tirol sind Einsatzstellen oftmals nur mittels Hubschrauber erreichbar.

Auf verstärkte Zusammenarbeit setzt man auch mit der Gruppe Forst und Abteilung Waldschutz im Land Tirol. Gemeinsam wurden zuletzt fünf Fortbildungen für Kommandanten der Tiroler Feuerwehren zum Thema Waldbrand abgehalten.
Freiwilligkeit und Ehrenamt trotzen der Pandemie
Trotz Coronapandemie ist die Bereitschaft der Feuerwehrmitglieder, sich in den Dienst der Bevölkerung zu stellen und im Ernstfall zur Stelle zu sein und Hilfe zu leistern sehr hoch! Dies zeigt auch die Jahresbilanz des abgelaufenen Jahres 2020, welche zwar einen leichten Einsatzrückgang im Vergleich zu 2019 zeigt, der Mitgliederstand blieb jedoch konstant mit zuletzt spürbarem Zuwachs vor allem im Jugendbereich, wo auch neue Jugendgruppen gegründet wurden. „Gemessen an den aktiven Mitgliedern (15-65 Jahre) ist jeder 20. Tiroler bei der Feuerwehr“, freut sich Hölzl über den schlagkräftigen Mitgliederstand in den 357 Feuerwehren.
Gruber ergänzt, dass „aufs Jahr gesehen im Durchschnitt 29 Feuerwehrmitglieder rund um die Uhr im Einsatz stehen und zu im Schnitt 48 Einsätzen täglich ausrücken.“ Feuerwehr-Schulleiter DI(FH) Georg Waldhart hält fest, dass man die Pandemie insbesondere bei neuen Aufgaben wie der Mithilfe bei Testaktionen und Logistikdienstleistungen sowie den Einschränkungen im Schulungs- und Übungsbetrieb spürte: „3.240 Kursteilnehmer und Besucher an der Landes-Feuerwehrschule sind weniger als die Hälfte in normalen Jahren und zeugen von den Einschränkungen, mit denen auch die Feuerwehren konfrontiert waren“. Die Pandemie hat jedoch die Entwicklung digitaler Lernangebote beschleunigt und so finden nun die ersten Hybrid-Lehrgänge mit online-Theorie und Praxis in Präsenz statt. „Denn das Handwerk Feuerwehr kann man nicht rein vor dem Bildschirm erlernen,“ legt Waldhart den Fokus wieder in Richtung Praxisausbildung. Ergänzend betont Gruber zum abgelaufenen Jahr, „dass es erfolgreich gelang, allzeit eine Gefährdung der Einsatzbereitschaft durch das Virus abzuwehren und alle Einsätze zwar mit Vorsichtsmaßnahmen, aber stets in gewohnter Professionalität abzuwickeln.“
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