Nachdem in den Samstag Nachmittagsstunden des 14. April 2018 kurz nach 16 Uhr unzählige Passanten auf eine kilometerweit sichtbare Flammenwand und schwarz aufsteigender Rauchsäule im Bereich der Südbahnstrecke zwischen Gumpoldskirchen (Bezirk Mödling) und Pfaffstätten (Bezirk Baden) aufmerksam wurden, gingen im Sekundentakt bei der Feuerwehr Bezirksalarmzentrale Baden eine Vielzahl an Notrufmeldungen ein. Dabei hieß es, dass 2-3 Waggons eines fahrenden Güterzuges in Flammen stünden und auch der Bahndamm an mehreren Stellen zu brennen begonnen hatte.

Der Brand griff in Folge auf mehrere Güterwaggons über und entzündete durch herabfallende Teile die Böschung und Weichenanlagen im Gleisbereich zwischen Gumpoldskirchen und Pfaffstätten. Entgegenkommende Züge machten den Lokführer auf den Brandausbruch aufmerksam. Er hielt danach den Zug im Bahnhofsbereich Pfaffstätten an.

Als die Einsatzmannschaft des erstausrückenden Fahrzeuges der Freiwilligen Feuerwehr Pfaffstätten bereits bei der Anfahrt die meterhohe Rauchsäule aufsteigen sah bzw. beim Eintreffen am Bahnhofsgelände den Vollbrand dreier Waggons wahrnahm, forderte der Feuerwehreinsatzleiter Kommandant Thomas Steiner sofort über die Feuerwehrleitstelle, neben der bereits mitalarmierten FF Tribuswinkel, auch noch die FF Traiskirchen-Stadt, FF Wienersdorf, FF Möllersdorf und FF Oeynhausen an. Da auch bei der Feuerwehr-Bezirksalarmzentrale Mödling Notrufmeldungen über einen Bahndammbrand Richtung Pfaffstätten einlangten, alarmierte diese die FF Gumpoldskirchen.

Bereits bei der Alarmierung der Einsatzkräfte wurde über die ÖBB Notfallleitstelle-OST eine Stromabschaltung der Fahrleitungen und die Einstellung des kompletten Zugsverkehrs in dem betroffenen Abschnitt veranlasst. Zum Glück stellte sich rasch heraus, dass der Güterzug kein Gefahrgut geladen hatte. Die Flammen mehrerer Waggons schlugen mehrere Meter hoch und beschädigten die Oberleitung und Beleuchtungskörper im Bahnhofsbereich. Durch die enorme Strahlungshitze geriet auch eine angrenzende Hecke in Brand.

Mit mehreren handgeführten Rohren wurde seitens der Feuerwehreinsatzkräfte zuerst die Brandausbreitung verhindert und aus sicherer Entfernung die brennende Ladung (laut Auskünfte diverse Möbel) begonnen abzulöschen. Aufgrund der massiven Rauchentwicklung mussten einige Trupps die Löscharbeiten unter Atemschutz durchführen. Ein Betreten der Geleisanlage war aber vorerst nicht möglich, da der Oberleitungsdraht durch die Hitzeentwicklung gerissen war und am Boden lag. Erst nach Eintreffen des ÖBB- Einsatzleiters und Erdung der Oberleitungen konnten die Löscharbeiten weitergeführt werden. Auch die Löscharbeiten entlang des Bahndammes Richtung Gumpoldskirchen mussten anfänglich außerhalb der Gleiskörper durchgeführt werden. Neben dem Aufbau einer Einsatzleitung und Durchführung der Einsatzdokumentation, galt es auch einen Atemschutzsammelplatz zu errichten. Der Einsatz wurde in verschiedene Abschnitte aufgeteilt.

Mehre Polizeikräfte riegelten den kompletten Bahnhofsbereich ab. Ebenfalls alarmierte Rettungskräfte standen vor Ort in Bereitschaft. Über örtliche Hydranten konnte die Wasserversorgung sichergestellt werden. Im Zuge der Löscharbeiten wurde festgestellt, dass der Brand auch auf einen geschlossen 45-Fuß-Container des angrenzenden Waggons übergegriffen hatte, da aus den Entlüftungsöffnungen des Containers Brandrauch entwich. Nach Rückfragen wurde bekannt, dass auch in diesem Container Polstermöbel, Matratzen und andere Möbel geladen waren. Da ein Container am Waggon durch Diebstahlsicherungen nicht so einfach zu öffnen ist, wurde entschieden den Container mittels Trennschneidgeräte seitlich und im Dachbereich aufzuschneiden um mit Löschlanzen die Ladung zu löschen. Die Bereitstellung einer Rettungsplattform ermöglichte dabei ein sicheres Arbeiten. Durch das lückenlose Stauen der Möbel, Vorhandensein von Polstermöbel und Matratzen in gerollter Form war der Löscheinsatz aber nicht zielführend. Daher entschied man in Absprache mit dem Einsatzleiter der ÖBB ein Öffnen der Containertüren und eine Entladung des Containerinhaltes in geeignete Großbehälter. Mittels Winkelschleifer wurden die Diebstahlsicherung am Waggon entfernt und mit den Wechselladefahrzeugen (WLF) der Feuerwehren Traiskirchen-Stadt, Möllersdorf und Tribuswinkel vier Abrollbehälter von einem naheliegenden Entsorgungsbetrieb herangeführt. Danach begann das Entladen des Containers. Da im Inneren des Container Brandrauch gemessen wurde, konnten die direkten Entladearbeiten nur unter Umluft unabhängigem Atemschutz und Löscharbeiten durchgeführt werden. Mittels „Menschenkette“ wurden 75 m³ Containerinhalt vom Waggon über eine Gleisanlage und dem Bahnsteig in die bereitgestellten Abfallmulden händisch verbracht. Diese Arbeiten wurden von den nachalarmierten Ablösekräften der FF Baden-Stadt und Baden Weikersdorf unterstützt. Gegen ca. 22:00 Uhr waren die Arbeiten abgeschlossen und ein Großteil der Einsatzmannschaften konnte wieder abrücken.

Noch in den Abendstunden begannen die Aufräum- und Sicherungsarbeiten seitens der ÖBB. Der Feuerwehreinsatz konnte dann gegen 23:20 Uhr beendet werden. Insgesamt standen 9 Freiwillige Feuerwehren (8 aus dem Bezirk Baden und 1 aus dem Bezirk Mödling) mit 177 Feuerwehrleuten und 34 Fahrzeugen im Einsatz. 29 Atemschutzgeräteträger kamen dabei zum Einsatz.

Stefan Schneider

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