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REAS 2017

„Wir ham glaubt, d’Welt geht unter!“ – 80 Jahre Brand der Rotunde

Wien: Es war einer der größten Brände in der Geschichte der Berufsfeuerwehr Wien: der Brand der Rotunde im Prater vor 80 Jahren am 17. September 1937. Um die Mittagszeit bricht aus noch heute unbekannter Ursache ein Brand bei einer der 32 Säulen aus, die die 84 Meter hohe Kuppel stützten. Ein Tischler, der in der großen Halle arbeitet, bemerkt die Flammen im oberen Teil der Säule und alarmiert einen der anwesenden Feuerwächter. Dieser drückt um 12:36 Uhr den Alarmknopf des Brandmelders und verständigt damit die Berufsfeuerwehr. Fünf Minuten später treffen die ersten Löschfahrzeuge von den Feuerwachen „Prater“ und „Donaustadt“ bei der Rotunde ein. Zu diesem Zeitpunkt ist das gesamte Ausmaß des Brandes noch nicht erkennbar, die Flammen haben sich aber bereits durch die Hohlräume hinter der Stuckatur und den Blechverkleidungen gefressen und große Teile des Gebäudes erfasst. Denn bei der als „Scheinbau“ errichteten Rotunde war man mit Ziegel oder Mauerwerk sparsam umgegangen, dafür wurde viel Stahl, Blech, Holz und Stuckatur verbaut. Alleine im Kuppeldach wurden 400 Tonnen Holz verbaut.

Wie weit sich die Flammen bereits vorgefressen haben, sehen die Feuerwehrleute erst, als sie auf das Dach gestiegen sind: dort schlagen bereits die Flammen heraus. Sofort fordern sie Verstärkung an, die wenige Minuten später eintrifft. Trotz vieler Mann und zahlreicher Löschleitungen breiten sich die Flammen immer weiter aus. Ein Gutteil des Löschwassers kommt aber nie bei den Flammen an, sondern rinnt entlang des Blechdaches ab.

Eine knappe Stunde kämpfen die Feuerwehrleute innerhalb und außerhalb des Gebäudes

gegen die Flammen. Um 13:30 Uhr wird zum Rückzug geblasen – keine Sekunde zu spät: 3

Minuten später stürzen 1.000 Tonnen glühende Stahlkonstruktion und 400 Tonnen

brennendes Holz in sich zusammen. Die Druckwelle treibt die Flammen in bisher nicht vom

Brand betroffene seitliche Gebäudeteile. „Wir ham glaubt, d’Welt geht unter!“, wird ein

Verwendung der beigefügten bzw. verlinkten Bilder nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über diesen Vorfall; insofern honorarfrei. Copyright: „MA 68 Lichtbildstelle“. Gerichtsstand: Wien.

Feuerwehrmann in einer Tageszeitung zitiert. Den Feuerwehrleuten bleibt nur noch übrig, den Brand von außen zu bekämpfen und die Umgebung zu schützen. Nicht zuletzt wegen des starken Südostwindes fangen das Lagerhaus der Gemeinde Wien, Dächer einiger Wohnhäuser und sogar der Übungsturm der Feuerwache „Prater“ Feuer. Dienstfreie Offiziere und Mannschaften der Feuerwehr werden einberufen, Soldaten des Infanterieregimentes Nr. 5 werden zur Hilfe herangezogen.

Das Feuer wütet dermaßen intensiv, dass die Rotunde nach wenigen Stunden in Schutt und Asche liegt. Die Brandwache bleibt bis zum Morgen des nachfolgenden Tages bei der Brandruine, am 22. September 1937 beginnen die Aufräumarbeiten.

Inklusive der Brandwachen waren 88 Feuerwehrfahrzeuge und mehr als 250 Mann im Einsatz, 14 Kilometer Schläuche wurden verlegt, 30 Strahlrohre waren im Einsatz.

Die Rotunde

Die Rotunde war das Prunkstück der Weltausstellung 1873. Sie stand auf dem Platz zwischen der heutigen Wirtschaftsuniversität Wien und der Trabrennbahn Krieau.
Sie war das größte und imposanteste Gebäude der Weltausstellung im Wiener Prater mit einer Höhe von 84 Meter. Das Bauwerk - ein „Scheinbau“ aus Holz, Stuckatur und Stahl hergestellt - wies in seinem Innern eine Spannweite von 108 m auf.

Vom Hauptgebäude führten im Viereck vier 200 m lange und 15 m hohe Gebäude herum. Die unmittelbare Verbindung dieser Gebäudeteile erfolgte durch Transepte genannte Zubauten. Die umbaute Fläche dieses gewaltigen Bauwerks betrug 30.000 Quadratmeter, der umbaute Raum ca. 600.000 Kubikmeter.

Es war geplant, die Rotunde gleich nach der Weltausstellung wieder abzureißen. Durch die Weltwirtschaftskrise und einer Cholera-Epidemie in Wien kamen weit weniger Besucher, als geplant. Darum schloss die Weltausstellung mit einem Defizit und es war kein Geld für den Abriss übrig. Auf Grund seiner Bauweise wurde das Gebäude im Falle eines Brandes schon lange als problematisch eingestuft.

Die Rotunde wurde dann zunächst als Lager von der Stadt Wien verwendet. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sie sich zu einem Wiener Wahrzeichen und beherbergte Festveranstaltungen, Zirkusvorführungen und große Ausstellungen. Ab 1921 wurden regelmäßig Messen abgehalten. Im Jahr vor dem Brand wurde der Architekt Clemens Holzmeister beauftragt, Überlegungen für eine Nutzung als Staatsarchiv in der Rotunde anzustellen.

BR Gerald Schimpf, BA

 

MA 68 Lichtbildstelle

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