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Reports
Historisches
FEUERBEKÄMPFUNG und FEUERVERSICHERUNG
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Historisches
FEUERBEKÄMPFUNG und FEUERVERSICHERUNG
FEUERBEKÄMPFUNG und FEUERVERSICHERUNG
Das Element Feuer war dem Menschen seit Jahrtausenden wohl vertraut und notwendig als Energieträger, außer Kontrolle entwickelte es sich aber zum großen Feind, der in kürzester Zeit Besitz und Lebenswerk vernichten konnte. Bereits aus der Antike sind erste Versuche eines organisierten Brandschutzes und die Erfindung von Löschmaschinen überliefert. Auf österreichischem Boden zeugen Grabsteine in Carnuntum und Flavia Solva von römischen Löscheinheiten, welche mit einfachen Stockspritzen und Löschdecken ausgerüstet waren. Im Hochmittelalter beginnt man in ganz Europa – wiederum der Macht des Faktischen Rechnung tragend – den Brandschutz zu organisieren.
Die Verehrung des Heiligen Florian und dessen bildliche Darstellung auf Kirchen und Häusern stellte sich bald als zu wenig heraus. Von Anfang an standen drei Prinzipien im Vordergrund:
- Prävention verordnete Maßnahmen zur Feuerverhütung (mit Strafsanktionen)
- Regelung des Abwehr und der Löschmaßnahmen im Ernstfall
- Versorgung der Opfer
ALLGEMEINPFLICHT ZUM LÖSCHEN
In der mittelalterlichen Stadt war die Hilfeleistung bei Bränden allgemeine Pflicht der Bewohner. Frühe Stadtrechte, wie beispielsweise das Wiener aus dem Jahr 1221, weisen bereits ausdrücklich auf den Brandschutz hin. Doch steht die Prävention im Vordergrund: Der Besitzer eines Hauses, das abbrennt ist zu bestrafen. Spätere Feuerordnungen regeln die Bereithaltung von einfachen Löschgeräten wie Eimern, Bottichen oder Feuerhaken. Die Wiener Feuerordnung vom 22. Mai 1454 regelte bereits die Maßnahmen beim Ausbruch von Bränden: Grundlage war die allgemeine Hilfeleistungspflicht, die Bewohner wurden nach ihrer Zunftzugehörigkeit bei der Brandbekämpfung eingesetzt. Berufliche Fertigkeiten wurden somit sinnvoll ausgenützt, doch die Effizienz blieb fragwürdig, da die genossenschaftliche Löschhilfe ja keinerlei Vorbereitung auf den Ernstfall betrieb. Der allgemeine technische Fortschritt machte durchaus vor den "Löschmaschinen" halt. Bis in die Barockzeit waren die Helfer im Prinzip nur mit Löscheimern und hölzernen Stockspritzen einfachster Art ausgerüstet. Die Revolution brachte zunächst Hans Hautsch aus Nürnberg, der die erste leistungsfähige Handdruckspritze baute, deren Verbreitung aber Jahrzehnte dauern würde.
Die Löschtaktik war einfach, mit Feuerhaken wurden Dächer, ja ganze Häuser eingerissen um eine Brandausbreitung zu verhindern. Die mit den einfachen Geräten geförderte Wassermenge war gegenüber der gewaltigen Brandlasten meist viel zu gering. Kein Wunder, dass jedes kleine Feuer sich zu einer Katastrophe wandelte. Die „Barockspritzen“ ermöglichten nun den Einsatz größerer Löschwassermengen, doch dieses wurde mit einem einfachen Wenderohr verspritzt. Erst die Verwendung von Lederschläuchen – überwiegend erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts - machte ein Herangehen an den Brandherd möglich.
Organisatorisch änderte sich über Jahrhunderte nichts, der zünftische Brandschutz
wurde recht und schlecht weitergeführt. Auf dem flachen Land war die Situation noch trister, hier gab es weder Geräte noch organisierte. Wurden im städtischen Bereich Feuerbeschauen durchgeführt, so blieb dies auf dem Lande dem Gutdünken der Grundherren überlassen. Die Bevölkerung, in der Frühneuzeit an Katastrophen und ständige militärische Bedrohung gewohnt, hatte gelernt dies mit Gottesfürchtigkeit zu ertragen. Somit kam dem Heiligen Florian, seit der Frühneuzeit auch für den Feuerschutz „verantwortlich“, große Bedeutung zu.
DIE JOSEFINISCHEN LÖSCHORDNUNGEN
Ganz im Zeitgeist reagierte Kaiser Josef II: Feuersbrünste waren in der Zeit des Manufakturwesens und der beginnenden Frühindustrialisierung wirtschaftlich nicht tragbar. Die Ernten mussten ebenso gesichert werden, wie die städtischen Werkstätten und Betriebe. Für Niederösterreich wurden daher 1782 gleich zwei Feuerordnungen erlassen.
- Feuerordnung für Landstädte und Märkte
- Feuerordnung für das offene Land
In 53 Paragraphen wurde der gesamte Brandschutz geregelt:
Hauptaugenmerk legte man auf den vorbeugenden Brandschutz:
- In jedem Haus sollten entsprechende Löschgeräte bereitgehalten werden.
- Für Löschwasservorrat war zu sorgen
- Rauchfänge und Feuerstellen waren zu warten und durch Rauchfangkehrer zu überprüfen.
- Feuerbeschau-Kommissäre hatten die Maßnahmen zu kontrollieren.
- Dem baulichen Brandschutz wurde erstmals Bedeutung zugemessen.
- Die Städte hatten Fahrspritzen zu beschaffen und diese pfleglich zu behandeln.
- Auch Herrschaften und Klöster hatten sich mit entsprechendem Gerät zu versehen.
Der abwehrende Brandschutz wurde ebenfalls organisiert:
- Der Feuer-Kommissär hatte den Einsatz zu leiten.
- Die Bevölkerung hatte - berufsständisch organisiert - Hilfsmaßnahmen durchzuführen. Diese hatte mit den Löschgeräten zu üben
In diesem Zusammenhang taucht das Wort Löschanstalt auf. In der Josefinischen Feuerordnung (solche gibt es nach Niederöstereich für alle Länder des österreichischen Staates) ist damit lediglich die Gesamtheit aller Maßnahmen und Geräte gemeint, die zur Brandbekämpfung eingesetzt werden konnten. Doch lässt sich eine Institutionalisierung feststellen. So gab es in Melk 1806 eine Löschanstalt, deren Mitglieder namentlich erfasst waren. Ihre Aufgabe war die Handhabung der neuen Fahrspritze. Die Hilfsdienste hatten nach wie vor die Einwohner zu besorgen. Ähnliche Entwicklungen sind auch in den anderen Städten zu bemerken. Die Löschanstalt in Korneuburg übte 1850 bereits mit drei Feuerspritzen.
Doch die Effizienz blieb fragwürdig. Die Brände von St. Pölten und Wiener Neustadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestätigen diese These.
SONDERFALL WIEN
Wien kann sich rühmen, die älteste hauptberufliche Brandschutzorganisation Europas zu besitzen. Im Rahmen des Unterkammeramtes wurden 1686 vier besoldete Feuerknechte angestellt Diese hatten hauptsächlich das Löschgerät zu warten und einsatzbereit zu halten. Aus dieser kleinen Gruppe wuchs dann der Vorläufer der Berufsfeuerwehr mit ständig besetzten Löschzügen. 1759 erfolgte eine Reformierung durch die Maria-theresianische Feuerordnung. Der Zylinder mit dem Wiener Stadtwappen war Jahrzehnte lang das Markenzeichen dieser Truppe, bei der Neugliederung kam dann erstmals in Österreich ein Helm zur Verwendung, der den Träger vor herab fallenden Trümmern schützen sollte.
Wien in Österreich leider sooft, musste erst eine Katastrophe, der Brand des Wiener Ringtheaters 1881 mit fast 400 Todesopfern, eintreten, um moderne Strukturen umzusetzen. Nach dem Brand nahm die Feuerwehr ihre heutigen Konturen an und war nun nicht mehr eine Hilfstruppe des städtischen Bauamtes. Auch die Feuerpolizeilichen Vorschriften für die gesamte Monarchie wurden nun so streng, dass sie weltweit als Vorbild dienten.
DIE IDEE DER FREIWILLIGEN FEUERWEHR
Die ansatzweise organisierten Löschanstalten, Vorformen von Berufsfeuerwehren und nach französischen Vorbild aufgestellte „Pompier-Corps“ führten im 19. Jahrhundert zur Idee der „Freiwillige Feuerwehr“. Die Ideen von Bürgerwehren in den Revolutionsjahren wurden auch auf die organisierte Hilfe umgelegt.
Das Pompier-Corps im sächsischen Meissen ähnelte 1842 bereits sehr einer Freiwilligen Feuerwehr, und im würtembergischen Durlach fällt 1847 bereits der Name "Feuerwehr". Die Durlacher wurden für ihren beherzten Einsatz beim Brand des Karlsruher Stadttheaters bekannt und zu einem Vorbild für ähnliche Einrichtungen. Der Begriff dürfte erstmals 1847 in Süddeutschland aufgetaucht sein.
Betrachtet man die Quellen der Zeit um 1848, steht die Idee Feuerwehr in engem Zusammenhang mit dem bürgerlichen Aufbegehren, der Emanzipation des Bürgers gegenüber Staat und Monarch. Die frühen deutschen Feuerwehren finden sich in den liberalen Staaten des deutschen Bundes, nicht im metternichschen Österreich oder in anderen absoluten Fürstentümern. Im Revolutionsjahr kommt es nun auch zu Feuerwehr-Gründungen nach württembergischen Vorbild in Österreich: Bregenz und Dornbirn, aber auch Linz und Ried im Innkreis nehmen Vorreiter-Position ein.
Man schließt sich aus freiem Willen zusammen um Brände zu bekämpfen, den Mitmenschen zu helfen. Ganz im Stil der 1848er und in der Tradition der Nationalgarden wird nun dieser Bereich der öffentlichen Sicherheit abgedeckt.
Die Niederschlagung der Revolution und der nun folgende Neoabsolutismus beenden in Österreich alle diese Bestrebungen. Die Feuerwehren werden aus Gründen der Staatssicherheit aufgelöst - unerwünschte Zusammenrottung.
Erst die schrittweise Liberalisierung ab 1860 und die Lockerung der Vereinsgesetzgebung ermöglichen nunmehr die Gründung von Feuerwehren:
- 1855 hatte der pensionierte Offizier Ferdinand Leitenberger im böhmischen Reichsstadt eine Feuerwehr aufgestellt. Organisiert offenbar nach sächsischem Vorbild war eine reine Kommunalfeuerwehr vorgesehen.
- 1857 wurde der Stockerauer Johann Kattus aktiv und forderte vom dortigen Gemeindeausschuss vergeblich die Gründung einer Feuerwehr – vergeblich.
Besonders stark verwurzelt war der Feuerwehrgedanke bei den Turnvereinen, deren Ausbreitung in Österreich ebenfalls durch den Neoabsolutismus vereitelt wurde.
DIE ERSTEN FEUERWEHREN IN NIEDERÖSTERREICH
Die älteste Feuerwehr in Niederösterreich ist die in Krems: Ende 1861 fanden sich einige Turner zusammen und gründeten eine Feuerwehr nach deutschem Vorbild.
Trotz heftiger Anfeindungen durch Kommune und im Konkurrenzkampf mit der bestehenden Löschanstalt konnten sich die Turnerfeuerwehrleute behaupten. Bereits 1864 erfolgte die Aufstellung der städtischen Feuerwehr, die später mit den Turnern fusioniert wurde.
Anfang 1862 entstand die FF Wiener Neustadt, 1864 die FF Leobersdorf.
1865: Baden, Glggnitz, Vöslau, Simmering
1866:Scheibbs, Hadersdorf
1867: St.Pölten, Mödling, Klosterneuburg, Melk, Weißenkirchen, Pötzleinsdorf
1868: Traiskirchen, Neunkirchen, Pottenstein, Stein, Neuwaldegg, Dornbach
1869: Gföhl, Ottakring, Großenzersdorf, Floridsdorf, Stockerau, Neulerchenfeld, Gumpoldskirchen
Der Feuerwehr-Gedanke begann sich durchzusetzen. Der Brandschutz wurde von einer kleinen, aber gut ausgebildeten Truppe wahrgenommen. Die Gemeinden, die zuerst diese Entwicklung argwöhnisch beobachtet hatten, bedienten sich nun gerne der neuen Einrichtung. Die Turner traten in den Hintergrund, die Initiative für Feuerwehr-Gründungen ging nun hauptsächlich von Einzelpersonen oder von den Gemeinden direkt aus.
Schon 1869 gründete sich der Niederösterreichische Landesfeuerwehrverband, der sich als Zusammenschluss aller Feuerwehren und als Interessensvertretung betrachtete. Die Stadthalterei nahm die Feuerwehr nunmehr als Institution ernst und bezog sie bereits in das Feuerpolizeigesetz von 1870 ein. Für den abwehrenden Brandschutz sollten sich die Gemeinden einer Freiwilligen Feuerwehr bedienen. Sie unterlagen dem Vereinsrecht und waren nach diesem zu organisieren.
DIE ENTWICKLUNG DES NÖ FEUERWEHRWESENS 1870 - 1918
Bis zur Jahrhundertwende wurde das Feuerwehrwesen flächendeckend, auch in den kleinsten Ortschaften wurden Vereine gegründet. Im Bereich der Gerichtsbezirke entstanden Bezirksfeuerwehrverbände, die ein Bindeglied zum Landesfeuerwehrverband darstellten. Zu den großen Taten der ersten Jahrzehnten gehörten die Errichtung der Unterstützungskasse und die Gründung des 1. Niederösterreichischen Feuerwehr-Unterstützungsvereins, der die Wohlfahrtsaufgaben für die Feuerwehren übernahm.
Die Verlässlichkeit der Feuerwehren führte dazu, dass sich bald neue Aufgaben fanden. Bereits um 1890 wurden Wasserwehren aufgestellt, die sich mehrfach bei Hochwasserkatastrophen bewährten. Mittlerweile übernahmen die Feuerwehren den Rettungsdienst, führten Krankentransporte und Erste Hilfemaßnahmen durch. Für den Kriegsfall wurden Lokal-Krankentransportkolonnen aufgebaut.
TECHNISCHE ENTWICKLUNG
Die Ausweitung des Feuerwehrwesens führte auch zu einer Bedarfssteigerung an Gerätschaften: Die österreichische Industrie, allen voran die Wiener Firma Knaust, bot entsprechende Produkte an: Die Spritzen wurden nunmehr aus Metall gefertigt und waren mit Saugeinrichtungen ausgestattet. Das Wenderohr verschwand vollständig zugunsten des Schlauches. Leitern und diverse Werkzeuge wurden verbessert, ebenso die persönliche Ausrüstung.
Bei Knaust wurden ab 1868 Dampfspritzen erzeugt: Die Förderung von großen Mengen Löschwasser ohne Muskelkraft wurde dadurch möglich. Ab 1880 setzten sich diese Geräte, besonders im Großraum Wien, durch.
Schwierig war in den Anfangsjahren die Verbindung der Schläuche. Fast in jedem Ort gab es Schläuche mit unterschiedlicher Kupplungsdimension. Es war ein Verdienst des Landesfeuerwehrverbandes, dieses Problem rasch zu lösen.
Der Teplitzer Feuerwehrgerätefabrikant und böhmische Feuerwehrverbands-Obmann Reginald Czermak brachte 1889 eine Versammlung aller Feuerwehrverbände der österreichischen Reichshälfte zustande - der Feuerwehr-Reichsverband war geboren. Ebenso waren die österreichischen Feuerwehren auf den Deutschen Feuerwehrtagen vertreten. 1900 kam es erstmalig zu einem internationalen Zusammenschluss.
Auch eine einheitliche Schulung aller Feuerwehrmänner wurde forciert: Ausbildungsbücher und Schautafeln zeugen davon. Zunächst orientierte man sich an deutschen Richtlinien, später kamen länderspezifische Werke dazu. Rund 10 Feuerwehrzeitschriften dienten der ständigen Weiterbildung der tausenden Feuerwehrmänner.
ZWISCHENKRIEGSZEIT
Die Situation des Feuerwehrwesens nach dem Ersten Weltkrieg war ebenso misslich wie die Gesamtlage der Bevölkerung. Der Mangel an Pferden für die Bespannung der Spritzen drängte die Feuerwehren zum Automobil. Obwohl man ein schlechtes Gewissen hatte, mit dem Verbrennungsmotor zum Feuer zu fahren, setzte sich das Auto durch. Zumeist wurden Fahrgestelle der Firmen Austro-Fiat oder Steyr verwendet. Im offenen Aufbau fanden sechs bis zwölf Feuerwehrmänner Platz, im Heck war eine Einbaupumpe oder eine, wegen ihrer Flexibilität geschätzte, Tragkraftspritze. Manche Fahrzeuge waren auch mit Vorbaupumpe ausgestattet. Einzelne Feuerwehren besaßen bereits Tanklöschfahrzeuge um einen raschen Ersteinsatz durchführen zu können.
Auch auf anderen Gebieten der Technik kam es zu Revolutionen, so trat man den steigenden Gefahren am Einsatzort mit Atemschutzgeräten entgegentreten (Frischluft-Schlauchgeräte, später Sauerstoff-Kreislaufatmer). Die zunehmende Verwendung von Kohlenwasserstoffen führte zur Einführung des Schaumlöschverfahrens (Chemischer Schaum, später Luftschaum) und zu Experimenten mit Löschpulver und Kohlensäure.
Auch in diesen schweren Jahren bewährte sich die Feuerwehr als kompetente Hilfeleistungsorganisation. Um die Feuerwehrmänner auf die immer umfangreicher werdenden Tätigkeiten besser vorbereiten zu können, fanden bereits in den 20er Jahren Feuerwehrfachkurse statt. Die Errichtung der Landes-Feuerwehrschule in Wiener Neustadt im Jahr 1933 stellte einen Meilenstein in der Entwicklung des NÖ Feuerwehrwesens dar. Hier wurden Maschinisten und Führungskräfte ausgebildet. Dazu kamen bald Rauchschutzkurse und in zunehmenden Maße auch Ausbildungen für den Luftschutz.
DRITTES REICH UND ZWEITER WELTKRIEG
Die politischen Wirrnisse der Dreißigerjahre endeten im Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938. War man im Ständestaat bemüht die Feuerwehr wohl Österreich treu in das Staatsganze zu integrieren, wagte man nicht an ihrer Autonomie zu rütteln. Nach dem März 1938 blieb zunächst das Feuerwehrwesen unangetastet, wenn auch einige Spitzenfunktionäre zur Rückgabe ihrer Ämter gezwungen wurden. Als nächster Schritt wurden die Feuerwehren als Vereine aufgelöst und direkt der Gemeindeverwaltung untergeordnet. Das bedeutete aber auch die Übergabe des gesamten Vermögens und das Verbot, Feste zur Finanzierung abhalten zu dürfen. Die Feuerwehr war nun technische Hilfspolizei der Gemeinde. Entgegen der vielfach falsch wiedergegebenen Meinung wurde der Name Freiwillige Feuerwehr beibehalten, die Bezeichnung Feuerschutzpolizei blieb den Berufsfeuerwehren vorbehalten. Zunehmender Personalmangel führte zur Aufstellung der Hitlerjugend-Feuerwehrscharen und ab 1943 zur Aufstellung von Gruppen der Feuerwehrhelferinnen.
In den letzten zwei Kriegsjahren standen die Feuerwehren unter schwerster psychischer und physischer Belastung: Personell extrem geschwächt und ergänzt mit mangelhaft ausgebildeten Jugendlichen und meist auch mit zu wenig Gerät stand man Großbränden, Explosionen und großflächigen Zerstörungen der Bausubstanz gegenüber. Zusammengefasst in Feuerwehr-Bereitschaften kamen die motorisierten Feuerwehren aus ganz Niederösterreich in Wien und anderen Industriestandorten zum Einsatz. Für einen entsprechenden Schutz in den eigenen Orten reichte es oft nicht mehr. Zerstörte Wasserleitungen machten eine effiziente Brandbekämpfung ohne Tanklöschfahrzeuge oft unmöglich, auf den zerstörten Straßen erkundeten Motoradmelder die Situation.
Um die gelichteten Reihen auffüllen zu können, wurden Notdienstpflichtige rekrutiert. Immer öfter kam es auch im Bereich der Feuerwehren zu Widerstand gegen Zwangsverpflichtung und Einsätze in weiter Entfernung. Als 1944 der Volkssturm aufgeboten wurde, bekamen die Feuerwehrleute auch Schießunterricht.
Der totale Krieg endete für die Feuerwehr in der totalen Zerstörung:
Was an Gerät den Bombenkrieg überstanden hatte, wurde im Frühjahr 1945 bei Erdkämpfen zerstört, geplündert und geraubt. Die Verlegung von starken Feuerwehreinheiten nach Oberösterreich nach der Räumung Wiens trug ein Übriges zum Geräteverlust bei.
WIEDERAUFBAU
Die sowjetische Besatzungsmacht betrachtete die Feuerwehr als Einrichtung der deutschen Polizei, die man zu guter Letzt ja noch der SS unterstellt hatte, und gestattete zunächst nur eine auf das Mindestmaß beschränkte Tätigkeit bei Einsätzen. Der unbeugsame Wille der sich langsam sammelnden Feuerwehrleute war es zu Danken, dass allerorts binnen zwei Jahren ein improvisierter Dienstbetrieb aufgenommen werden konnte.
1947 kam es zur Wiedergründung des NÖ Landesfeuerwehrverbandes und zur Errichtung der Bezirksverbände. Die Feuerwehren wurden rechtlich wieder als Vereine geführt. In den anderen Bundesländern hatte diese Entwicklung schon früher eingesetzt.
Notdürftigst hatte man Geräte organisiert oder aus Altteilen zusammengebaut. Manche Feuerwehr war wiederum mit ihrer Handspritze unterwegs. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen, die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitations Agency) stellte 1948 über 300 Militärlastwagen zur Verfügung, die billig erworben werden konnten. In den westlichen Bundesländern konnten hunderte Löschfahrzeuge aus deutschen Beständen übernommen werden.
Die zerstörte NÖ Feuerwehrschule wurde 1950 von Wiener Neustadt nach Tulln übersiedelt, 1954 wurde die erste Etappe des Neubaus an der Nußallee seiner Bestimmung übergeben. Als zusätzlicher Ausbildungsanreiz wurde 1951 der erste Landesfeuerwehrleistungsbewerb abgehalten.
DER WEG IN DIE MODERNE
Der 1959 zum Landesfeuerwehrkommandanten gewählte DI Ferdinand Heger wurde zum Vater der modernen Feuerwehr von heute. In den Jahren des Wirtschaftswunders änderten sich die Aufgaben der Feuerwehr:
- in Industrie, Landwirtschaft und auch Haushalt wurden vermehrt giftige und hochbrennbare Materialien verwendet, was die Brandlast und die Gefährlichkeit erhöhte.
- der rapid zunehmende Straßenverkehr führte zu einer Anwachsen von Verkehrsunfällen
- die Umwelt wurde zunehmend - z.B. durch Tankwagenunfälle – gefährdet.
Die Feuerwehren wurden gezwungen, darauf zu reagieren, was natürlich eine gewaltige finanzielle und logistische Mehrbelastung bedeutete. Nunmehr wurde
aus den teilweise dörflich-vereinsmeierischen Feuerwehren eine schlagkräftige Hilfeleistungsorganisation:
- Beschaffung von einheitlichen Fahrzeugen nach Baurichtlinie: z.B.:
Tanklöschfahrzeug 1000 auf Opel Blitz
Leichtes Löschfahrzeug auf Opel Blitz
Tanklöschfahrzeug2000 auf Mercedes oder Steyr
Kleinlöschfahrzeug auf VW-Bus oder Ford Transit
(Die in den 50er Jahren forcierten Tragkraftspritzenwagen (ein vierrädriger Traktoranhänger mit Löschgruppenausrüstung) wurden langsam zurückgedrängt).
- Aufbau des technischen Dienstes, besonders für Verkehrsunfälle und Elementarereignisse:
- Die Industrie entwickelte moderne Hilfsmittel wie hydraulische Rettungssätze zur Befreiung eingeklemmter Personen oder Hebekissen
- Aufbau von Sonderdiensten: Tauch- und Sprengdienst, Strahlenschutz, später Feuerwehrstreife, Versorgungs- und Flugdienst
- Die Feuerwehren erhielten Sprechfunk als Nachrichtenmittel
- für überregionale Katastrophen wurde der Feuerlösch- und Bergungsdienst aufgestellt: Diese Einheiten kamen z.B. nach einem Staudammbruch in Oberitalien (Motta di Livenza) und nach dem Erdbeben in Friaul zum Einsatz.
Die Feuerwehr wurde nunmehr ein kompetenter Ansprechpartner für Schadensfälle aller Art, und konnte schließlich auch rechtlich aufgewertet werden: Heute sind die Feuerwehren Körperschaft öffentlichen Rechtes.
FEUERWEHR HEUTE
In Österreich gibt es derzeit Freiwillige und Betriebsfeuerwehren, rund 310.000 Frauen und Männer (Aktive, Reservisten und Feuerwehrjugend) stehen rund um die Uhr bereit. Sechs Berufsfeuerwehren sorgen in den Städten über 100.000 Einwohner für Sicherheit. Frauen sind in den letzten Jahren selbstverständlich im Feuerwehrwesen geworden.
In Niederösterreich übernimmt das ausschließlich freiwillige Feuerwehrwesen per Gesetzesauftrag ein großes Spektrum an Hilfeleistung. Das Feuerwehr steht nur noch bei 10% aller Einsätze – rund 50000 im Jahr – im Mittelpunkt. Der Einsatz auf der Straße, nach Elementarereignissen, insbesondere Hochwasser, und zur Verhinderung von Umweltgefahren ist Schwerpunkt in der Gegenwart. Das Freiwillige Feuerwehrmitglied erlernt im Prinzip einen zweiten Beruf und muss viele Stunden der Freizeit in seine Tätigkeit investieren. 93 000 Männer und Frauen stehen heute für die Sicherheit des Landes bereit.
FEUERVERSICHERUNGEN
Nach der Betrachtung des abwehrenden und vorbeugenden Brandschutzes soll der Abdeckung des Brandschadens besondere Beachtung gewidmet werden. Immer wieder stößt man auf kleine Eimailschilder mit Logo und Namen oft heute völlig vergessener Versicherungsunternehmen, die oft als Selbsthilfegruppen organisiert waren. Vorweg: Feuerversicherungen sind älter als die Feuerwehren.
Als der Gedanke, dass Feuersbrünste eine Strafe Gottes seien, überwunden war, kam zunächst der Nachbarschaftshilfe große Bedeutung zu. Frühformen von Versicherungen, wie die Norddeutschen Brandgilden gab es nicht. Eine übliche Form der Hilfe bestand in „Brandbriefen“, welche den Abbrändlern das Sammeln von Spenden erlaubte, aber oft missbräuchlich verwendet wurde. Steuerbefreiungen oder –erleichterungen waren oft seitens der Obrigkeit die einzigen Hilfsmassnahmen.
Da all diese Maßnahmen nicht wirklich helfen konnten, entstanden schon im 17. Jahrhundert vereinzelt „Bauernassekuranzen“, welche im lokalen mit Naturalien oder Geld halfen. Älteste dokumentierte Versicherung dieser Art ist die „Brandschaden-Kasse“ zu Kremsmünster“ aus dem Jahr 1710. Jeder herrschaftliche Untertan musste, analog zu seiner Steuerleistung, einen Betrag in den Fond einzahlen.
Von Kaiserin Maria Theresia forciert, konnten ab 1740 erste Schritte zu einer Flächen deckenderen Absicherung der Bevölkerung gesetzt werden. Erstes großes Projekt war dann die „Feuer-Sozietäts-Ordnung für Vorderösterreich von 1764. Der österreichische Raum hinkte in der Entwicklung Norddeutschland und Frankreich gewaltig nach.
1819 setzte Kaiser Franz I. fest, dass alle „Feuerassekuranzen“ als Privatunternehmen zu gründen seien und veranlasste die Hofkanzlei zur tatkräftigen Mithilfe. 1824 waren bereits rund 58.000 Gebäude durch die „Wechselseitige Brandschaden-Versicherungsanstalt zu Wien“ versichert.
In den Kronländern wurden solche Institute nun rasch gegründet: Tirol 1825, Steiermark, Kärnten und Krain 1829, Böhmen ebenfalls 1829.
Diese Versicherungsunternehmen waren bereits durchaus nach heutigen Standards eingerichtet, so dass etwa eine etwaige Brandstiftung die Versicherung aus ihrer Pflicht nahm. Neben den Landesanstalten entstanden auch erwerbswirtschaftlich orientierte Versicherungen, welche bereits als Aktiengesellschaften geführt wurden.
Den bestehenden Landesversicherungen entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts nun auch Konkurrenz aus neuen, privaten Versicherungsanstalten. 1870 zählte man 52 Versicherungen in der österreichischen Reichshälfte. Sie waren überwiegend auf Wechselseitigkeit basierend, d.h. ihre Mitglieder brachten das Kapital durch ihre Prämien auf. Auch das System der Rückversicherung entstand bereits in diesen Jahren.
Bereits in dieser Zeit unterstützte die Versicherungswirtschaft die Feuerwehren, da diese ja die Schadenssummen dokumentierbar senkten. Die Gründung der Brandverhütungsstellen, bis heute in jedem Bundesland selbstverständlich geht auch eine Initiative der Feuerversicherer zurück (1929).
Zusammenfassung
Die Kombination vorbeugender Brandschutz durch Bauordnung, Feuerbeschau und Normung, abwehrender Brandschutz durch ein flächendeckendes System an schlagkräftigen Freiwilligen Feuerwehren (alle in NÖ 1660) und eine solide Versicherungswirtschaft macht Österreich sicher – eine Entwicklung der letzten beiden Jahrhunderte. (Veröffentlicht: NÖ Landesausstellung 2007 "Feuer-Erde")
- Prävention verordnete Maßnahmen zur Feuerverhütung (mit Strafsanktionen)
- Regelung des Abwehr und der Löschmaßnahmen im Ernstfall
- Versorgung der Opfer
ALLGEMEINPFLICHT ZUM LÖSCHEN
In der mittelalterlichen Stadt war die Hilfeleistung bei Bränden allgemeine Pflicht der Bewohner. Frühe Stadtrechte, wie beispielsweise das Wiener aus dem Jahr 1221, weisen bereits ausdrücklich auf den Brandschutz hin. Doch steht die Prävention im Vordergrund: Der Besitzer eines Hauses, das abbrennt ist zu bestrafen. Spätere Feuerordnungen regeln die Bereithaltung von einfachen Löschgeräten wie Eimern, Bottichen oder Feuerhaken. Die Wiener Feuerordnung vom 22. Mai 1454 regelte bereits die Maßnahmen beim Ausbruch von Bränden: Grundlage war die allgemeine Hilfeleistungspflicht, die Bewohner wurden nach ihrer Zunftzugehörigkeit bei der Brandbekämpfung eingesetzt. Berufliche Fertigkeiten wurden somit sinnvoll ausgenützt, doch die Effizienz blieb fragwürdig, da die genossenschaftliche Löschhilfe ja keinerlei Vorbereitung auf den Ernstfall betrieb. Der allgemeine technische Fortschritt machte durchaus vor den "Löschmaschinen" halt. Bis in die Barockzeit waren die Helfer im Prinzip nur mit Löscheimern und hölzernen Stockspritzen einfachster Art ausgerüstet. Die Revolution brachte zunächst Hans Hautsch aus Nürnberg, der die erste leistungsfähige Handdruckspritze baute, deren Verbreitung aber Jahrzehnte dauern würde.
Die Löschtaktik war einfach, mit Feuerhaken wurden Dächer, ja ganze Häuser eingerissen um eine Brandausbreitung zu verhindern. Die mit den einfachen Geräten geförderte Wassermenge war gegenüber der gewaltigen Brandlasten meist viel zu gering. Kein Wunder, dass jedes kleine Feuer sich zu einer Katastrophe wandelte. Die „Barockspritzen“ ermöglichten nun den Einsatz größerer Löschwassermengen, doch dieses wurde mit einem einfachen Wenderohr verspritzt. Erst die Verwendung von Lederschläuchen – überwiegend erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts - machte ein Herangehen an den Brandherd möglich.
Organisatorisch änderte sich über Jahrhunderte nichts, der zünftische Brandschutz
wurde recht und schlecht weitergeführt. Auf dem flachen Land war die Situation noch trister, hier gab es weder Geräte noch organisierte. Wurden im städtischen Bereich Feuerbeschauen durchgeführt, so blieb dies auf dem Lande dem Gutdünken der Grundherren überlassen. Die Bevölkerung, in der Frühneuzeit an Katastrophen und ständige militärische Bedrohung gewohnt, hatte gelernt dies mit Gottesfürchtigkeit zu ertragen. Somit kam dem Heiligen Florian, seit der Frühneuzeit auch für den Feuerschutz „verantwortlich“, große Bedeutung zu.
DIE JOSEFINISCHEN LÖSCHORDNUNGEN
Ganz im Zeitgeist reagierte Kaiser Josef II: Feuersbrünste waren in der Zeit des Manufakturwesens und der beginnenden Frühindustrialisierung wirtschaftlich nicht tragbar. Die Ernten mussten ebenso gesichert werden, wie die städtischen Werkstätten und Betriebe. Für Niederösterreich wurden daher 1782 gleich zwei Feuerordnungen erlassen.
- Feuerordnung für Landstädte und Märkte
- Feuerordnung für das offene Land
In 53 Paragraphen wurde der gesamte Brandschutz geregelt:
Hauptaugenmerk legte man auf den vorbeugenden Brandschutz:
- In jedem Haus sollten entsprechende Löschgeräte bereitgehalten werden.
- Für Löschwasservorrat war zu sorgen
- Rauchfänge und Feuerstellen waren zu warten und durch Rauchfangkehrer zu überprüfen.
- Feuerbeschau-Kommissäre hatten die Maßnahmen zu kontrollieren.
- Dem baulichen Brandschutz wurde erstmals Bedeutung zugemessen.
- Die Städte hatten Fahrspritzen zu beschaffen und diese pfleglich zu behandeln.
- Auch Herrschaften und Klöster hatten sich mit entsprechendem Gerät zu versehen.
Der abwehrende Brandschutz wurde ebenfalls organisiert:
- Der Feuer-Kommissär hatte den Einsatz zu leiten.
- Die Bevölkerung hatte - berufsständisch organisiert - Hilfsmaßnahmen durchzuführen. Diese hatte mit den Löschgeräten zu üben
In diesem Zusammenhang taucht das Wort Löschanstalt auf. In der Josefinischen Feuerordnung (solche gibt es nach Niederöstereich für alle Länder des österreichischen Staates) ist damit lediglich die Gesamtheit aller Maßnahmen und Geräte gemeint, die zur Brandbekämpfung eingesetzt werden konnten. Doch lässt sich eine Institutionalisierung feststellen. So gab es in Melk 1806 eine Löschanstalt, deren Mitglieder namentlich erfasst waren. Ihre Aufgabe war die Handhabung der neuen Fahrspritze. Die Hilfsdienste hatten nach wie vor die Einwohner zu besorgen. Ähnliche Entwicklungen sind auch in den anderen Städten zu bemerken. Die Löschanstalt in Korneuburg übte 1850 bereits mit drei Feuerspritzen.
Doch die Effizienz blieb fragwürdig. Die Brände von St. Pölten und Wiener Neustadt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestätigen diese These.
SONDERFALL WIEN
Wien kann sich rühmen, die älteste hauptberufliche Brandschutzorganisation Europas zu besitzen. Im Rahmen des Unterkammeramtes wurden 1686 vier besoldete Feuerknechte angestellt Diese hatten hauptsächlich das Löschgerät zu warten und einsatzbereit zu halten. Aus dieser kleinen Gruppe wuchs dann der Vorläufer der Berufsfeuerwehr mit ständig besetzten Löschzügen. 1759 erfolgte eine Reformierung durch die Maria-theresianische Feuerordnung. Der Zylinder mit dem Wiener Stadtwappen war Jahrzehnte lang das Markenzeichen dieser Truppe, bei der Neugliederung kam dann erstmals in Österreich ein Helm zur Verwendung, der den Träger vor herab fallenden Trümmern schützen sollte.
Wien in Österreich leider sooft, musste erst eine Katastrophe, der Brand des Wiener Ringtheaters 1881 mit fast 400 Todesopfern, eintreten, um moderne Strukturen umzusetzen. Nach dem Brand nahm die Feuerwehr ihre heutigen Konturen an und war nun nicht mehr eine Hilfstruppe des städtischen Bauamtes. Auch die Feuerpolizeilichen Vorschriften für die gesamte Monarchie wurden nun so streng, dass sie weltweit als Vorbild dienten.
DIE IDEE DER FREIWILLIGEN FEUERWEHR
Die ansatzweise organisierten Löschanstalten, Vorformen von Berufsfeuerwehren und nach französischen Vorbild aufgestellte „Pompier-Corps“ führten im 19. Jahrhundert zur Idee der „Freiwillige Feuerwehr“. Die Ideen von Bürgerwehren in den Revolutionsjahren wurden auch auf die organisierte Hilfe umgelegt.
Das Pompier-Corps im sächsischen Meissen ähnelte 1842 bereits sehr einer Freiwilligen Feuerwehr, und im würtembergischen Durlach fällt 1847 bereits der Name "Feuerwehr". Die Durlacher wurden für ihren beherzten Einsatz beim Brand des Karlsruher Stadttheaters bekannt und zu einem Vorbild für ähnliche Einrichtungen. Der Begriff dürfte erstmals 1847 in Süddeutschland aufgetaucht sein.
Betrachtet man die Quellen der Zeit um 1848, steht die Idee Feuerwehr in engem Zusammenhang mit dem bürgerlichen Aufbegehren, der Emanzipation des Bürgers gegenüber Staat und Monarch. Die frühen deutschen Feuerwehren finden sich in den liberalen Staaten des deutschen Bundes, nicht im metternichschen Österreich oder in anderen absoluten Fürstentümern. Im Revolutionsjahr kommt es nun auch zu Feuerwehr-Gründungen nach württembergischen Vorbild in Österreich: Bregenz und Dornbirn, aber auch Linz und Ried im Innkreis nehmen Vorreiter-Position ein.
Man schließt sich aus freiem Willen zusammen um Brände zu bekämpfen, den Mitmenschen zu helfen. Ganz im Stil der 1848er und in der Tradition der Nationalgarden wird nun dieser Bereich der öffentlichen Sicherheit abgedeckt.
Die Niederschlagung der Revolution und der nun folgende Neoabsolutismus beenden in Österreich alle diese Bestrebungen. Die Feuerwehren werden aus Gründen der Staatssicherheit aufgelöst - unerwünschte Zusammenrottung.
Erst die schrittweise Liberalisierung ab 1860 und die Lockerung der Vereinsgesetzgebung ermöglichen nunmehr die Gründung von Feuerwehren:
- 1855 hatte der pensionierte Offizier Ferdinand Leitenberger im böhmischen Reichsstadt eine Feuerwehr aufgestellt. Organisiert offenbar nach sächsischem Vorbild war eine reine Kommunalfeuerwehr vorgesehen.
- 1857 wurde der Stockerauer Johann Kattus aktiv und forderte vom dortigen Gemeindeausschuss vergeblich die Gründung einer Feuerwehr – vergeblich.
Besonders stark verwurzelt war der Feuerwehrgedanke bei den Turnvereinen, deren Ausbreitung in Österreich ebenfalls durch den Neoabsolutismus vereitelt wurde.
DIE ERSTEN FEUERWEHREN IN NIEDERÖSTERREICH
Die älteste Feuerwehr in Niederösterreich ist die in Krems: Ende 1861 fanden sich einige Turner zusammen und gründeten eine Feuerwehr nach deutschem Vorbild.
Trotz heftiger Anfeindungen durch Kommune und im Konkurrenzkampf mit der bestehenden Löschanstalt konnten sich die Turnerfeuerwehrleute behaupten. Bereits 1864 erfolgte die Aufstellung der städtischen Feuerwehr, die später mit den Turnern fusioniert wurde.
Anfang 1862 entstand die FF Wiener Neustadt, 1864 die FF Leobersdorf.
1865: Baden, Glggnitz, Vöslau, Simmering
1866:Scheibbs, Hadersdorf
1867: St.Pölten, Mödling, Klosterneuburg, Melk, Weißenkirchen, Pötzleinsdorf
1868: Traiskirchen, Neunkirchen, Pottenstein, Stein, Neuwaldegg, Dornbach
1869: Gföhl, Ottakring, Großenzersdorf, Floridsdorf, Stockerau, Neulerchenfeld, Gumpoldskirchen
Der Feuerwehr-Gedanke begann sich durchzusetzen. Der Brandschutz wurde von einer kleinen, aber gut ausgebildeten Truppe wahrgenommen. Die Gemeinden, die zuerst diese Entwicklung argwöhnisch beobachtet hatten, bedienten sich nun gerne der neuen Einrichtung. Die Turner traten in den Hintergrund, die Initiative für Feuerwehr-Gründungen ging nun hauptsächlich von Einzelpersonen oder von den Gemeinden direkt aus.
Schon 1869 gründete sich der Niederösterreichische Landesfeuerwehrverband, der sich als Zusammenschluss aller Feuerwehren und als Interessensvertretung betrachtete. Die Stadthalterei nahm die Feuerwehr nunmehr als Institution ernst und bezog sie bereits in das Feuerpolizeigesetz von 1870 ein. Für den abwehrenden Brandschutz sollten sich die Gemeinden einer Freiwilligen Feuerwehr bedienen. Sie unterlagen dem Vereinsrecht und waren nach diesem zu organisieren.
DIE ENTWICKLUNG DES NÖ FEUERWEHRWESENS 1870 - 1918
Bis zur Jahrhundertwende wurde das Feuerwehrwesen flächendeckend, auch in den kleinsten Ortschaften wurden Vereine gegründet. Im Bereich der Gerichtsbezirke entstanden Bezirksfeuerwehrverbände, die ein Bindeglied zum Landesfeuerwehrverband darstellten. Zu den großen Taten der ersten Jahrzehnten gehörten die Errichtung der Unterstützungskasse und die Gründung des 1. Niederösterreichischen Feuerwehr-Unterstützungsvereins, der die Wohlfahrtsaufgaben für die Feuerwehren übernahm.
Die Verlässlichkeit der Feuerwehren führte dazu, dass sich bald neue Aufgaben fanden. Bereits um 1890 wurden Wasserwehren aufgestellt, die sich mehrfach bei Hochwasserkatastrophen bewährten. Mittlerweile übernahmen die Feuerwehren den Rettungsdienst, führten Krankentransporte und Erste Hilfemaßnahmen durch. Für den Kriegsfall wurden Lokal-Krankentransportkolonnen aufgebaut.
TECHNISCHE ENTWICKLUNG
Die Ausweitung des Feuerwehrwesens führte auch zu einer Bedarfssteigerung an Gerätschaften: Die österreichische Industrie, allen voran die Wiener Firma Knaust, bot entsprechende Produkte an: Die Spritzen wurden nunmehr aus Metall gefertigt und waren mit Saugeinrichtungen ausgestattet. Das Wenderohr verschwand vollständig zugunsten des Schlauches. Leitern und diverse Werkzeuge wurden verbessert, ebenso die persönliche Ausrüstung.
Bei Knaust wurden ab 1868 Dampfspritzen erzeugt: Die Förderung von großen Mengen Löschwasser ohne Muskelkraft wurde dadurch möglich. Ab 1880 setzten sich diese Geräte, besonders im Großraum Wien, durch.
Schwierig war in den Anfangsjahren die Verbindung der Schläuche. Fast in jedem Ort gab es Schläuche mit unterschiedlicher Kupplungsdimension. Es war ein Verdienst des Landesfeuerwehrverbandes, dieses Problem rasch zu lösen.
Der Teplitzer Feuerwehrgerätefabrikant und böhmische Feuerwehrverbands-Obmann Reginald Czermak brachte 1889 eine Versammlung aller Feuerwehrverbände der österreichischen Reichshälfte zustande - der Feuerwehr-Reichsverband war geboren. Ebenso waren die österreichischen Feuerwehren auf den Deutschen Feuerwehrtagen vertreten. 1900 kam es erstmalig zu einem internationalen Zusammenschluss.
Auch eine einheitliche Schulung aller Feuerwehrmänner wurde forciert: Ausbildungsbücher und Schautafeln zeugen davon. Zunächst orientierte man sich an deutschen Richtlinien, später kamen länderspezifische Werke dazu. Rund 10 Feuerwehrzeitschriften dienten der ständigen Weiterbildung der tausenden Feuerwehrmänner.
ZWISCHENKRIEGSZEIT
Die Situation des Feuerwehrwesens nach dem Ersten Weltkrieg war ebenso misslich wie die Gesamtlage der Bevölkerung. Der Mangel an Pferden für die Bespannung der Spritzen drängte die Feuerwehren zum Automobil. Obwohl man ein schlechtes Gewissen hatte, mit dem Verbrennungsmotor zum Feuer zu fahren, setzte sich das Auto durch. Zumeist wurden Fahrgestelle der Firmen Austro-Fiat oder Steyr verwendet. Im offenen Aufbau fanden sechs bis zwölf Feuerwehrmänner Platz, im Heck war eine Einbaupumpe oder eine, wegen ihrer Flexibilität geschätzte, Tragkraftspritze. Manche Fahrzeuge waren auch mit Vorbaupumpe ausgestattet. Einzelne Feuerwehren besaßen bereits Tanklöschfahrzeuge um einen raschen Ersteinsatz durchführen zu können.
Auch auf anderen Gebieten der Technik kam es zu Revolutionen, so trat man den steigenden Gefahren am Einsatzort mit Atemschutzgeräten entgegentreten (Frischluft-Schlauchgeräte, später Sauerstoff-Kreislaufatmer). Die zunehmende Verwendung von Kohlenwasserstoffen führte zur Einführung des Schaumlöschverfahrens (Chemischer Schaum, später Luftschaum) und zu Experimenten mit Löschpulver und Kohlensäure.
Auch in diesen schweren Jahren bewährte sich die Feuerwehr als kompetente Hilfeleistungsorganisation. Um die Feuerwehrmänner auf die immer umfangreicher werdenden Tätigkeiten besser vorbereiten zu können, fanden bereits in den 20er Jahren Feuerwehrfachkurse statt. Die Errichtung der Landes-Feuerwehrschule in Wiener Neustadt im Jahr 1933 stellte einen Meilenstein in der Entwicklung des NÖ Feuerwehrwesens dar. Hier wurden Maschinisten und Führungskräfte ausgebildet. Dazu kamen bald Rauchschutzkurse und in zunehmenden Maße auch Ausbildungen für den Luftschutz.
DRITTES REICH UND ZWEITER WELTKRIEG
Die politischen Wirrnisse der Dreißigerjahre endeten im Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938. War man im Ständestaat bemüht die Feuerwehr wohl Österreich treu in das Staatsganze zu integrieren, wagte man nicht an ihrer Autonomie zu rütteln. Nach dem März 1938 blieb zunächst das Feuerwehrwesen unangetastet, wenn auch einige Spitzenfunktionäre zur Rückgabe ihrer Ämter gezwungen wurden. Als nächster Schritt wurden die Feuerwehren als Vereine aufgelöst und direkt der Gemeindeverwaltung untergeordnet. Das bedeutete aber auch die Übergabe des gesamten Vermögens und das Verbot, Feste zur Finanzierung abhalten zu dürfen. Die Feuerwehr war nun technische Hilfspolizei der Gemeinde. Entgegen der vielfach falsch wiedergegebenen Meinung wurde der Name Freiwillige Feuerwehr beibehalten, die Bezeichnung Feuerschutzpolizei blieb den Berufsfeuerwehren vorbehalten. Zunehmender Personalmangel führte zur Aufstellung der Hitlerjugend-Feuerwehrscharen und ab 1943 zur Aufstellung von Gruppen der Feuerwehrhelferinnen.
In den letzten zwei Kriegsjahren standen die Feuerwehren unter schwerster psychischer und physischer Belastung: Personell extrem geschwächt und ergänzt mit mangelhaft ausgebildeten Jugendlichen und meist auch mit zu wenig Gerät stand man Großbränden, Explosionen und großflächigen Zerstörungen der Bausubstanz gegenüber. Zusammengefasst in Feuerwehr-Bereitschaften kamen die motorisierten Feuerwehren aus ganz Niederösterreich in Wien und anderen Industriestandorten zum Einsatz. Für einen entsprechenden Schutz in den eigenen Orten reichte es oft nicht mehr. Zerstörte Wasserleitungen machten eine effiziente Brandbekämpfung ohne Tanklöschfahrzeuge oft unmöglich, auf den zerstörten Straßen erkundeten Motoradmelder die Situation.
Um die gelichteten Reihen auffüllen zu können, wurden Notdienstpflichtige rekrutiert. Immer öfter kam es auch im Bereich der Feuerwehren zu Widerstand gegen Zwangsverpflichtung und Einsätze in weiter Entfernung. Als 1944 der Volkssturm aufgeboten wurde, bekamen die Feuerwehrleute auch Schießunterricht.
Der totale Krieg endete für die Feuerwehr in der totalen Zerstörung:
Was an Gerät den Bombenkrieg überstanden hatte, wurde im Frühjahr 1945 bei Erdkämpfen zerstört, geplündert und geraubt. Die Verlegung von starken Feuerwehreinheiten nach Oberösterreich nach der Räumung Wiens trug ein Übriges zum Geräteverlust bei.
WIEDERAUFBAU
Die sowjetische Besatzungsmacht betrachtete die Feuerwehr als Einrichtung der deutschen Polizei, die man zu guter Letzt ja noch der SS unterstellt hatte, und gestattete zunächst nur eine auf das Mindestmaß beschränkte Tätigkeit bei Einsätzen. Der unbeugsame Wille der sich langsam sammelnden Feuerwehrleute war es zu Danken, dass allerorts binnen zwei Jahren ein improvisierter Dienstbetrieb aufgenommen werden konnte.
1947 kam es zur Wiedergründung des NÖ Landesfeuerwehrverbandes und zur Errichtung der Bezirksverbände. Die Feuerwehren wurden rechtlich wieder als Vereine geführt. In den anderen Bundesländern hatte diese Entwicklung schon früher eingesetzt.
Notdürftigst hatte man Geräte organisiert oder aus Altteilen zusammengebaut. Manche Feuerwehr war wiederum mit ihrer Handspritze unterwegs. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen, die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitations Agency) stellte 1948 über 300 Militärlastwagen zur Verfügung, die billig erworben werden konnten. In den westlichen Bundesländern konnten hunderte Löschfahrzeuge aus deutschen Beständen übernommen werden.
Die zerstörte NÖ Feuerwehrschule wurde 1950 von Wiener Neustadt nach Tulln übersiedelt, 1954 wurde die erste Etappe des Neubaus an der Nußallee seiner Bestimmung übergeben. Als zusätzlicher Ausbildungsanreiz wurde 1951 der erste Landesfeuerwehrleistungsbewerb abgehalten.
DER WEG IN DIE MODERNE
Der 1959 zum Landesfeuerwehrkommandanten gewählte DI Ferdinand Heger wurde zum Vater der modernen Feuerwehr von heute. In den Jahren des Wirtschaftswunders änderten sich die Aufgaben der Feuerwehr:
- in Industrie, Landwirtschaft und auch Haushalt wurden vermehrt giftige und hochbrennbare Materialien verwendet, was die Brandlast und die Gefährlichkeit erhöhte.
- der rapid zunehmende Straßenverkehr führte zu einer Anwachsen von Verkehrsunfällen
- die Umwelt wurde zunehmend - z.B. durch Tankwagenunfälle – gefährdet.
Die Feuerwehren wurden gezwungen, darauf zu reagieren, was natürlich eine gewaltige finanzielle und logistische Mehrbelastung bedeutete. Nunmehr wurde
aus den teilweise dörflich-vereinsmeierischen Feuerwehren eine schlagkräftige Hilfeleistungsorganisation:
- Beschaffung von einheitlichen Fahrzeugen nach Baurichtlinie: z.B.:
Tanklöschfahrzeug 1000 auf Opel Blitz
Leichtes Löschfahrzeug auf Opel Blitz
Tanklöschfahrzeug2000 auf Mercedes oder Steyr
Kleinlöschfahrzeug auf VW-Bus oder Ford Transit
(Die in den 50er Jahren forcierten Tragkraftspritzenwagen (ein vierrädriger Traktoranhänger mit Löschgruppenausrüstung) wurden langsam zurückgedrängt).
- Aufbau des technischen Dienstes, besonders für Verkehrsunfälle und Elementarereignisse:
- Die Industrie entwickelte moderne Hilfsmittel wie hydraulische Rettungssätze zur Befreiung eingeklemmter Personen oder Hebekissen
- Aufbau von Sonderdiensten: Tauch- und Sprengdienst, Strahlenschutz, später Feuerwehrstreife, Versorgungs- und Flugdienst
- Die Feuerwehren erhielten Sprechfunk als Nachrichtenmittel
- für überregionale Katastrophen wurde der Feuerlösch- und Bergungsdienst aufgestellt: Diese Einheiten kamen z.B. nach einem Staudammbruch in Oberitalien (Motta di Livenza) und nach dem Erdbeben in Friaul zum Einsatz.
Die Feuerwehr wurde nunmehr ein kompetenter Ansprechpartner für Schadensfälle aller Art, und konnte schließlich auch rechtlich aufgewertet werden: Heute sind die Feuerwehren Körperschaft öffentlichen Rechtes.
FEUERWEHR HEUTE
In Österreich gibt es derzeit Freiwillige und Betriebsfeuerwehren, rund 310.000 Frauen und Männer (Aktive, Reservisten und Feuerwehrjugend) stehen rund um die Uhr bereit. Sechs Berufsfeuerwehren sorgen in den Städten über 100.000 Einwohner für Sicherheit. Frauen sind in den letzten Jahren selbstverständlich im Feuerwehrwesen geworden.
In Niederösterreich übernimmt das ausschließlich freiwillige Feuerwehrwesen per Gesetzesauftrag ein großes Spektrum an Hilfeleistung. Das Feuerwehr steht nur noch bei 10% aller Einsätze – rund 50000 im Jahr – im Mittelpunkt. Der Einsatz auf der Straße, nach Elementarereignissen, insbesondere Hochwasser, und zur Verhinderung von Umweltgefahren ist Schwerpunkt in der Gegenwart. Das Freiwillige Feuerwehrmitglied erlernt im Prinzip einen zweiten Beruf und muss viele Stunden der Freizeit in seine Tätigkeit investieren. 93 000 Männer und Frauen stehen heute für die Sicherheit des Landes bereit.
FEUERVERSICHERUNGEN
Nach der Betrachtung des abwehrenden und vorbeugenden Brandschutzes soll der Abdeckung des Brandschadens besondere Beachtung gewidmet werden. Immer wieder stößt man auf kleine Eimailschilder mit Logo und Namen oft heute völlig vergessener Versicherungsunternehmen, die oft als Selbsthilfegruppen organisiert waren. Vorweg: Feuerversicherungen sind älter als die Feuerwehren.
Als der Gedanke, dass Feuersbrünste eine Strafe Gottes seien, überwunden war, kam zunächst der Nachbarschaftshilfe große Bedeutung zu. Frühformen von Versicherungen, wie die Norddeutschen Brandgilden gab es nicht. Eine übliche Form der Hilfe bestand in „Brandbriefen“, welche den Abbrändlern das Sammeln von Spenden erlaubte, aber oft missbräuchlich verwendet wurde. Steuerbefreiungen oder –erleichterungen waren oft seitens der Obrigkeit die einzigen Hilfsmassnahmen.
Da all diese Maßnahmen nicht wirklich helfen konnten, entstanden schon im 17. Jahrhundert vereinzelt „Bauernassekuranzen“, welche im lokalen mit Naturalien oder Geld halfen. Älteste dokumentierte Versicherung dieser Art ist die „Brandschaden-Kasse“ zu Kremsmünster“ aus dem Jahr 1710. Jeder herrschaftliche Untertan musste, analog zu seiner Steuerleistung, einen Betrag in den Fond einzahlen.
Von Kaiserin Maria Theresia forciert, konnten ab 1740 erste Schritte zu einer Flächen deckenderen Absicherung der Bevölkerung gesetzt werden. Erstes großes Projekt war dann die „Feuer-Sozietäts-Ordnung für Vorderösterreich von 1764. Der österreichische Raum hinkte in der Entwicklung Norddeutschland und Frankreich gewaltig nach.
1819 setzte Kaiser Franz I. fest, dass alle „Feuerassekuranzen“ als Privatunternehmen zu gründen seien und veranlasste die Hofkanzlei zur tatkräftigen Mithilfe. 1824 waren bereits rund 58.000 Gebäude durch die „Wechselseitige Brandschaden-Versicherungsanstalt zu Wien“ versichert.
In den Kronländern wurden solche Institute nun rasch gegründet: Tirol 1825, Steiermark, Kärnten und Krain 1829, Böhmen ebenfalls 1829.
Diese Versicherungsunternehmen waren bereits durchaus nach heutigen Standards eingerichtet, so dass etwa eine etwaige Brandstiftung die Versicherung aus ihrer Pflicht nahm. Neben den Landesanstalten entstanden auch erwerbswirtschaftlich orientierte Versicherungen, welche bereits als Aktiengesellschaften geführt wurden.
Den bestehenden Landesversicherungen entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts nun auch Konkurrenz aus neuen, privaten Versicherungsanstalten. 1870 zählte man 52 Versicherungen in der österreichischen Reichshälfte. Sie waren überwiegend auf Wechselseitigkeit basierend, d.h. ihre Mitglieder brachten das Kapital durch ihre Prämien auf. Auch das System der Rückversicherung entstand bereits in diesen Jahren.
Bereits in dieser Zeit unterstützte die Versicherungswirtschaft die Feuerwehren, da diese ja die Schadenssummen dokumentierbar senkten. Die Gründung der Brandverhütungsstellen, bis heute in jedem Bundesland selbstverständlich geht auch eine Initiative der Feuerversicherer zurück (1929).
Zusammenfassung
Die Kombination vorbeugender Brandschutz durch Bauordnung, Feuerbeschau und Normung, abwehrender Brandschutz durch ein flächendeckendes System an schlagkräftigen Freiwilligen Feuerwehren (alle in NÖ 1660) und eine solide Versicherungswirtschaft macht Österreich sicher – eine Entwicklung der letzten beiden Jahrhunderte. (Veröffentlicht: NÖ Landesausstellung 2007 "Feuer-Erde")