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Start Fachwissen Stressverarbeitung Kameraden und Freunde als Unfallopfer

Kameraden und Freunde als Unfallopfer

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„Der Tod kommt blitzschnell“ - In der Nacht zum 26. Jänner kam es in einer Kurve Niederfellabrunn, Bezirk Korneuburg zu einem schweren Verkehrsunfall:  Ein PKW kam im Kurvenausgang ins Schleudern und prallte mit der Fahrertür gegen einen Baum, überschlug sich, kam im angrenzenden Feld am Dach zu liegen und begann zu brennen. Bei Eintreffen der FF Niederfellabrunn  stand das Fahrzeug bereits im Vollbrand. Wie sich erst später herausstellte befanden sich jedoch noch zwei Personen darin - ohne Überlebenschance!

Die beiden 18jährigen waren aus der Gemeinde und allgemein bekannt – hier kennt einfach jeder jeden, einer Mitglied der ebenfalls eingesetzten FF Bruderndorf. Feuerwehrobjektiv sprach mit OV Alfred Windisch und Windisch von der FF Niederfellabrunn sowie dem Kommandanten der FF Bruderndorf, Thomas Eisenhöld.

Zum Einsatz und zur Stimmung

„Es war Routine – das Fahrzeug brannte lichterloh,  wir löschten – aber dann kam die bange Frage: Ist da noch wer drin, denn rundum war einfach niemand zu sehen. Nach dem Löschen, musste dann erst jemand gefunden werden, der sich bereiterklärte nachzuschauen. Ein Sani vom RK Ernstbrunn übernahm den Job – und es wurde zur traurigen Gewissheit, dass da offenbar zwei drin waren“, erzählt Alfred Windisch.

Es war gespenstisch still, kalt und stockdunkel, trotz der laufenden Aggregate und Scheinwerfer, beschreibt Thomas Eisenhöld das Szenario. „Nach dem Löschen begannen dann man zu flüstern. Einzelne glaubten, den Wagen erkannt zu haben. Es wurde nicht laut gesprochen, vielmehr liefen viele Telefone heiß, um Tochter, Sohn, Bruder oder Schwester sicher zu Hause zu wissen“, sind sich die beiden einig. „Die Spekulationen wurden mehr und mehr Gewissheit“, berichten sie, „als dann auch noch ein Kennzeichen auftauchte.“

Zur Totenbergung
„Nach der traurigen Gewissheit, musste die Einsatzleitung Leute aussuchen, die nervlich stark genug waren, die Leichen aus dem Wrack zu schneiden – mitten in der Phase als noch keiner so genau wusste, wer die Betroffenen sein könnten“, seufzt Windisch. Generell hatte  man den Eindruck, dass nicht so sehr Alter oder Erfahrung jetzt zählten, man konnte deutlich beobachten, wer sich jetzt „zur Pumpe“ zurückzog und wer für die Front überblieb. Einer davon war Alfreds Sohn Stefan, der letztendlich die Schneidarbeiten am Wrack durchführte. Die Bergung übernahm die Bestattung. „Sowas kann man nicht üben“, ist man sich einig.

„Wir waren über einen Kameraden von der FF Niederhollabrunn sehr froh, der ist bei der  Tatortgruppe der Polizei und einiges gewöhnt“, berichtet Stefan Windisch. Allerdings wusste man bis zum Einrücken nicht hundertprozentig, wer jetzt immer Auto saß. Für die engeren Freunde sehr belastend, für die, die ihre Angehörigen im Sicheren wussten, eine Erleichterung.

Auf die Frage, ob man auf Grund des möglichen Naheverhältnisses der Opfer eine andere Feuerwehr hätte beiziehen sollen, erzählen die Niederfellabrunner übrigens, dass es einfach Selbstverständlich war, den Job zu erledigen.

Zur Rolle des Kommandanten
„Für mich hat der Einsatz erst so richtig in der Früh angefangen – ich war plötzlich mit Medien und Anrufen aus der Bevölkerung konfrontiert und musste höflich, aber seriös Auskunft geben. Dazu musste ich mit meinem Stellvertreter die Eltern besuchen – hart. Man sollte Führungskräfte bereits in der Ausbildung darauf hinweisen, was in so einem Fall auf sie zukommt. Es istwie eine Lawine. Gott sei dank hat man mich gut unterstützt. Auch das Begräbnis war  ein harter Brocken zu organisieren,“ gibt Eisenhöld seine Erfahrungen wieder.

Grundsätzlich hat man übrigens das Begräbnis als Schlusspunkt der direkten Trauerarbeit gesehen. Ein junger Buderndorfer Feuerwehrmann brahcte es übrigens nicht übers Herz, zum Begräbnis in Uniform zu kommen.

Wie ging es den Feuerwehrmitgliedern später
In der Familie Windisch hat man zunächst nicht viel über das direkte Geschehen gesprochen, der Senior wollte den Sohn sogar von der „Front“ zurückhalten. Für Stefan ist klar, dass er Distanz brauchte – und nutzte den Skiurlaub.

Für Eisenhöld ist die Drumherum-Verantwortung des Kommandanten bis heute prägend. Er weiß, wie sehr Führungskräfte im Umgang mit der Mannschaft gefordert sind. „Ein gewisser Trost ist die Endgültigkeit des Ereignisses, denn den beiden hätte man nicht mehr helfen können“, schließt er Selbstzweifel aus: “Niemand braucht sich fragen, was er besser gemacht hätte. Es war zu spät“.

Stefan, nur wenig älter als die Verstorben und mit Ihnen befreundet, verspürt, etwa beim Fußball, die entstandenen Lücke in der Gruppe, er kommt aber mit seiner Rolle bei der Leichenbergung gut klar und ist überzeugt, dass die solide Ausbildung bei der FF Niederfellabrunn wesentlich ist. „Der Griff zum Rettungsgerät war nicht einfach, weiß er zu berichten“.

Über den Einsatz der Feuerwehr-Peers
„Der Kommandant darf nicht fragen, wie es den Leuten geht, er braucht einfach Antennen, um das zu spüren“, sind sich Windisch und Eisenhöld einig. Diesmal war ein Defusing der richtige Weg, wenn man auch weiß, dass einige aus falschem Stolz nicht gekommen sind.

Was kann man Lernen
„Ich habe mich nach dem Unfall für eine Entschärfung der Kurve eingesetzt und bin auf folgende interessante Tatsache gestoßen: Bei der BH sind seit 2002 nur fünf Unfälle mit Personenschaden verzeichnet worden, die Feuerwehr war 16mal im Einsatz und eine Anrainerin schätzt, dass in dieser Zeit ungefähr 50mal was passiert ist. Jedenfalls wird jetzt was gemacht“, weiß Alfred Windisch.

„Die Erinnerung an die beiden Burschen soll weiterleben, vielleicht  auch als Anstoß für viele allzu leichtsinnige Jugendliche ein wenig Nachzudenken, wir wollen überhaupt jetzt mehr Prävention anbieten“, betont Thomas Eisenhöld.

 

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