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Fachwissen
Taktik-Einsatz-Wissen
Drehleiter-Seminar
Drehleiter-Seminar
Im Jahre 1997 erhielt die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Korneuburg, im Zuge einer NÖ-Landesankaufsaktion, die Drehleiter DLK 23-12 auf Mercedes-Benz 1524 Fahrgestell. Im Laufe der Jahre haben sich die Taktiken und Vorgehensweisen beim Einsatz von Hubrettungsgeräten stetig weiterentwickelt, sodass laufende Schulungen nötig sind, um als Feuerwehr immer "up to date" zu sein:
Zweitägiges Drehleiterseminar
Als Antwort auf die stetige Weiterentwicklung, wurde am 27. und 28.März jeweils ein eintägiger Theorie-und Praxiskurs "Taktik im Drehleitereinsatz" für die Einsatzleiter und Maschinisten abgehalten. Zwei Gastausbilder aus der Bundesrepublik Deutschland vermittelten anhand von Einsatzbeispielen, Fotos und Praxisübungen die Lehrinhalte. Von der FF Bisamberg waren ebenso Beobachter anwesend, da es bei einem bereichsübergreifenden Einsatz von Vorteil ist, wenn die örtlich zuständige Feuerwehr bereits über den Einsatz von Hubrettungsgeräten informiert ist. Ebenso nahm eine Gruppe der FF Gloggnitz-Stadt mit der Drehleiter ihrer Feuerwehr am Seminar teil.
Zwei-Mann (Frau)-Team
Der erfolgreiche und sichere Einsatz von Hubrettungsgeräten basiert auf dem Zusammenspiel von Einweiser (Fahrzeugkommandant) und Maschinist (Kraftfahrer).
Beim Einsatz von Drehleitern müssen der Geländeneigungswinkel, die maximale Nennrettungshöhe (unter Beachtung der Nennausladung) und der Aufrichtwinkel berücksichtigt werden. Der Einweiser erkundet die Einsatzlage und bestimmt den Aufstellpunkt des Fahrzeuges, um eine optimale Arbeitsbedingung zu schaffen.
Abstützen des Fahrzeuges
Um sicher in große Höhen fahren zu können, ist eine richtige Abstützung unbedingt erforderlich. Die Ausbildung und Erfahrung des Einweisers wurden laufend präsentiert und Beispiele abgearbeitet. Eine Fehlentscheidung bei der Wahl des Aufstellplatzes kann durch ein späteres ausbessern nur mit nicht unwesentlichem Mehraufwand an Zeit geschehen. Trotz der computerunterstützten Drehleitersteuerung ist es notwendig, einige Gefahrenpunkte zu erläutern. Das asymmetrische Abstützen, das Abstützen auf Gehsteigen und in der unmittelbaren Nähe von Schächten oder Senkgrube ist aufgrund des hohen Stützdrucks problematisch. Ebenso ist der Einsatz von Auffahrbohlen, Unterlegehölzern und Lastverteilungsplatten zu überlegen.
Einsatztaktik
Im Verantwortungsbereich des Maschinisten liegt es, wie an ein Objekt "angeleitert" wird. Hindernisse, wie Rauchfänge, Oberleitungen, Astwerk oder Dachgauben sind zu beachten und müssen immer im Blickkontakt mit dem Maschinisten "am Boden" sein. Die Beobachtung der Rauchentwicklung bzw. die Windrichtung muss vor allem bei Menschenrettungen über die Leiter große Bedeutung zugemessen werden. ("Personen nie durch den Rauch absteigen lassen").
Menschenrettung über Drehleiter
Die Menschenrettung über die Drehleiter, insbesondere unter Gefahr im Verzug, stellt immer eine besondere Herausforderung dar. Für die in Gefahr geratenen Personen spielt vor allem die Panik vor bei Wohnungs - oder Zimmerbränden eine nicht zu unterschätzende Rolle! Es gilt einige grundlegende Einsatzregeln zu beachten, um eine Menschenrettung auch sicher im zeitkritischen Ernstfall durchführen zu können. Die Kommunikation zwischen Maschinist und Korbfahrer ist essentiell für die Durchführung derartiger Einsätze.
Anleiterformen
Die Leiterstellung zum Objekt wird als "Anleiterform" bezeichnet: Je nach Gegebenheiten und Einsatzanforderungen kann dies z.B. auch parallel zur Hauswand erfolgen. Erfordert es der Einsatz, so kann die Drehleiter zur raschen Rettung mehrerer Personen (z.B. Schule) als "Brücke" eingesetzt werden. Bei beengten Platzverhältnissen im Korbbereich kann der Rettungskorb mit wenigen Handgriffen abgenommen werden, um so das gewünschte Einsatzziel zu erreichen.
Unterflur-Einsatz
Bei der Standarddrehleiter ist ein arbeiten mit einem Winkel von bis zu -17 Grad unter Niveau möglich. Der Einsatz von Hubrettungsgeräten muss nicht immer in Verbindung mit Bränden geschehen: Bei Eisrettungen, Tiefenrettungen aus Schächten oder Gruben oder bei abgestürzten Fahrzeugen kann und soll die Drehleiter eingesetzt werden. Einerseits um das Feuerwehrpersonal sicher an die eigentliche Einsatzstelle zu bringen, andererseits um eine schonende Rettung der Unfallopfer zu gewährleisten. Dies kann bei der FF Korneuburg vor allem in Verbindung mit der Schleifkorbtrage und dem Flaschenzug geschehen.
Resümee
Nach jeweils ca. zehn stündiger Ausbildung an und mit der Drehleiter konnten Feuerwehrmitglieder ihr Wissen erweitern und werden nun in Zukunft den Drehleitereinsatz nun noch besser und schneller durchführen. Anhand dieses Seminars wurde verdeutlicht, dass die Drehleiter ein großes Spektrum an Einsatzmöglichkeiten aber auch ein großes Gefahrenpotential aufweist. Nur durch fortlaufende Schulungen und Übungen kann ein Einsatz mit Hubrettungsgeräten sicher absolviert werden.
Bericht/Fotos: SB Michael Zöger & BM Thomas Steffal
Gastausbildung: www.drehleiterausbildung.de