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Brandschutz in historischen Bauten

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Hofburg, Sofiensäle, Schloß Windsor, Kapellbrücke, ... die Aufzählung läßt sich beliebig fortsetzen. Kulturdenkmäler sind gerade in Österreich keine Seltenheit. Nun sind diese Objekte zumeist ein Substrat unterschiedlicher Bausubstanzen, oft über Jahrhunderte entwickelt. Klarerweise verfügen diese Objekte nicht über Einrichtungen des vorbeugenden und abwehrenden Brandschutzes, wie dies heute selbstverständlich wäre.
Erst nach spektakulären Brandereignissen und Verlusten wird der Brandschutzgedanke wieder ins Bewusstsein gerufen. Nicht ausgeschlossen sind hier auch Baudenkmäler.  
 
Beispiele  
Windsor Castle, London  
Hofburg, Wien  
Kapellbrücke, Luzern  
Truman-Villa, Potsdam  
Stadtkirche, Kemberg  
Dom, Turin  
Palais de Chaillot, Paris  
Salvatorkeller, München  
Martin-Kirche, Göttingen  
 
Problemstellungen 
- Bausubstanz, Konglomerat verschiedenster Baustufen 
- Unzugänglichkeit, Höhe, Erreichbarkeit 
- Löschwasserversorgung 
- Mangel an Personenschutz (fehlende Fluchtwege trotz hoher Besucherfrequenz) 
-  
In Kulturdenkmälern ist der Brandschutz besonders wichtig, weil die durch den Brand selbst, aber auch durch Ruß und Löschwasser zerstörtes Kulturgut für immer 
verloren ist. Diese Kulturgüter können in ihrer Originalsubstanz nie mehr wiederhergestellt werden. Es ist geradezu typisch für Baudenkmäler, dass ihre 
Originalbausubstanz die Brandentstehung und vor allem die Brandausbreitung begünstigt und einen Rettungs- und Löscheinsatz sehr erschwert. 
 
An Baudenkmälern, die nicht mit Brandschutzeinrichtungen ausgestattet sind, wird auch die heutige moderne und schlagkräftige Feuerwehr oft wenig 
Chancen haben. Ein Lösch-, Rettungs- und Bergungserfolg sind nämlich nur dann möglich, wenn der Brandherd schnell erreichbar ist und sich nicht weit 
ausdehnen kann. 
 
Lösungsansätze 
- Einbau einer Einbruchsmeldeanlage zur Verringerung der Brandstiftungsgefahr. 
- Gründliche Überprüfung aller elektrischen Anlagen. Besonderes Augenmerk ist elektrischen Leitungen in Zwischendecken, Fehlböden und an Dachstühlen zuzuwenden. 
- Feuerpolizeiliche Beschau bzw. Arbeiten durch den Rauchfangkehrer. In die Kamine hineinragende Balkenköpfe, an Holzbalken verlaufende Rauch- und Wasserdampfrohre, auf Holzbalken aufgesetzte und von Rissen durchzogene sowie im Dachraum geschleifte Kamine sind Brandursachen durch Feuerungsanlagen. Die schadhaften Kamine und Heizungsanlage müssen abgeschaltet und durch neue ersetzt werden. 
- Überprüfung der bestehenden Blitzschutzanlagen bzw. Errichtung einer solchen.  
- Durchführung aller feuergefährlichen Arbeiten (Heissarbeiten) unter höchsten Sicherheitsmaßnahmen.  
- Organisatorische Festlegung des Verhaltens des Personals und der Besucher in Hinblick auf mögliche Brandgefahren, wie z.B.: Benutzung, Wartung 
und Abschalten von Geräten, Schliessen von Fenstern und Türen, Rauchverbot, Überprüfung der Räume nach Betriebsschluss, Verwendung von 
Kerzen. 
 
Für die Feuerwehr: 
 
Die Vermeidung von möglichen Brandursachen ist in jedem Baudenkmal eine jederzeit umsetzbare und gleichzeitig denkmalschondene Maßnahme. Für den 
Schutz von Baudenkmälern vor Feuer und Brandrauch reicht es jedoch nicht aus, Brände zu vermeiden. Ein Brand kann in einem Baudenkmal ja nie 
vollständig ausgeschlossen werden. Deswegen sollten Baudenkmäler auch brandschutztechnisch ertüchtigt werden, d.h. so ausgerüstet werden, dass 
entstandene Brände sich nicht ungehindert ausbreiten können. Hierfür können insbesondere technische und bauliche Maßnahmen dienen. 
 
- Erstellung von Brandschutz- und Einsatzplänen 
- Erreichbarkeit von Besitzern, Verwaltern, etc. auflisten 
- Schließverhältnisse klären  
- Feststellung der Wasserentnahmestellen 
 
Einsatzplanung 
- Zufahrt und Aufstellung der Fahrzeuge (große Fahrzeuge erreichen kaum Innenhöfe !) 
- Wasserversorgung kann kräfteintensiv werden. 
- Löschwasserrückhaltung: dafür muß gesorgt sein, um wertvolle Kunstgegenstände nicht zu gefährden (Abdeckplanen, Wassersauger !) 
Planung von vorgeschobenen Einsatzabschnitten und Ablaufpunkten 
 
Den Blick schärfen .... 
 
Unter diesem Titel veranstaltet die NÖ Landes-Feuerwehrschule Seminare über die Spezifika solcher Objekte. Das Pilotseminar fand in Leobendorf sowie auf der bekannten Burg Kreuzenstein statt. Kommandomitglieder von Feuerwehren, welche historische, schützenswerte Bauten in ihren Einsatzbereichen haben, Mitglieder des Österreichischen Burgenvereines und auch einige Schloss- und Burgenbesitzer folgten der Einladung. 
 
Seminarleiter BI Prof. Mag. Johannes Legler, der selbst Besitzer eines Schlosses im Weinviertel ist, betreut seit nunmehr 7 Jahren dieses Sachgebiet im Österreichischen Bundesfeuerwehrverband. Bei vielen bisherigen Einsatzübungen an historischen Bauten ist er Initiator, und in der Planungs- und Ausarbeitungsphase Kontaktperson zwischen Schloss- oder Burgenbesitzer und der örtlich zuständigen Feuerwehr gewesen. Der Fachmann erläuterte zu Beginn an Hand von zahlreichen Einsätzen, die sich in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum ereignet haben, die häufigsten Brandursachen in Altbauten. Gerade die mutwilligen Brandstiftungen nahmen in den vergangenen 10 Jahren deutlich zu. 
Weiters kann man in Schlössern und Burgen auf Grund von Bausubstanz und Bauart immer wiederkehrende, typische Brandverläufe feststellen. 
Vorrangig beschäftigte sich Mag. Legler aber mit den, einem Brand vorbeugenden Maßnahmen, die sowohl des Engagements der Besitzer als auch der zuständigen Feuerwehr bedürfen. So kam man gemeinsam zur Erkenntnis, daß Brandschutzeinrichtungen wie beispielsweise Brandmeldeanlagen oder Installation von Brandabschnitten zwar theoretisch möglich und zweifellos höchst effizient sind, Bränden vorzubeugen oder sie früh zu erkennen, jedoch die Anschaffung, gerade für Privatbesitzer, sehr kostenintensiv sind. 
Mittels regelmäßiger Begehungen der Objekte, Erstellungen von Brandschutzplänen und Einsatzübungen ist es möglich, ohne unerwartete Hindernisse oder Gefahren, rasch und effizient Hilfe bzw. Brandbekämpfung durchzuführen.  
 
Bei all diesen Tätigkeiten ist der persönliche Kontakt zwischen Besitzer und Feuerwehrkommandant unbedingt von Nöten, wobei auch oft vertrauliche Informationen beispielsweise über Orte, wo besonders wertvolle Sachgüter gelagert werden ausgetauscht werden sollten. All diese Punkte wurden von BR Zeitelberger, Kommajndant der FF Leobendorf, bearbeitet und unter reger Beteiligung der Teilnehmer besprochen. In den weiteren Ausführungen wurde auch eine Problemanalyse aus feuerwehrtechnischer Sicht (Löschwasserbeförderung, Warnung von möglichen Touristengruppen im Gebäude usw.) durchgeführt. 
 
Die letzte theoretische Ausbildungseinheit leitete HBI Ing. Strutzenberger. Er beschäftigte sich nun detailliert mit dem Objekt „Burg Kreuzenstein“, in welchem im Anschluß als Lehrbeispiel eine Begehung durchgeführt werden sollte. In teils heftigen Diskussionen trafen taktische und technische Aspekte und Möglichkeiten der Feuerwehr aufeinander. Es kamen gerade bei diesem Objekt (liegt auf einer Anhöhe, ist Tourismusziel.....) Probleme zu Tage, die auch den anwesenden Burgvogt deutlich beunruhigten.  
 
Wie man den Reaktionen der Teilnehmer am Schluß entnehmen konnte motivierte das Seminar ganz enorm, das Thema Brandschutz am eigenen Objekt in Angriff zu nehmen und in die Praxis umzusetzen.  
 
Quellen:  
Johannes und Christian Legler, Seminarunterlagen BS in historischen Bauten 
Sylvester Kabat, Brandschutz in Baudenkmälern, Kohlhammer 1996
 

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