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Fachwissen
Taktik-Einsatz-Wissen
Facts: Waldbrand
Fachwissen
Taktik-Einsatz-Wissen
Facts: Waldbrand
Facts: Waldbrand
Das Jahr 2007 hatte es in sich: Unzählige Wald- und Flurbrände hielten Einsatzkräfte in ganz Südeuropa in Atem. Besonders Griechenland, aber auch Süditalien waren und sind betroffen. Die Großbrände am Peloponnes stellen flächenmäßig eine neue Dimension von Feuer seit dem Mittelalter dar.
Einige Fakten zum Thema Waldbrand
Entstehung und Ausbreitung
Waldbrände beginnen durch Zündung am Boden. Dessen Bewuchs und Streuauflage kann je nach Klima, Standort und Bestandstyp ganz unterschiedlich sein. Grundsätzlich gilt: je ärmer der Boden und je trockener das Klima, desto stärker ist die Waldbrandgefahr. In unseren Breiten besonders gefährdet sind Wälder mit trockenem Gras als Bodenflora, was die Zündung und schnell laufende Bodenfeuer begünstigt. Ökologisch gesehen gibt es eine Reihe von Naturwäldern, für die Feuer ein natürlicher Faktor ist. Am besten an Feuer angepasst sind verschiedenen Kiefern- und Eukalyptus-Arten in Nord- und Mittelamerika bzw. Australien.
Die verschiedenen Arten von Waldbränden haben auch unterschiedliche ökologische Auswirkungen:
Erdfeuer: Schwelbrände im Boden, die vor allem bei angehäufter organischer Auflage z.B. Torf entstehen. Da sie unterirdische Organe (Wurzeln) der Bäume und Samen zerstören, sind sie in ihren Auswirkungen am schlimmsten.
Boden- oder Lauffeuer: Verbrennung der Streu und oberirdische Teile der Pflanzen. Ob auch Bäume getötet werden, hängt von deren Rindenstärke ab. Durch die Verbrennung der Streu wird der Prozess der Minaralisierung beschleunigt. Die mineralisierten Nährstoffe unterliegen in stärkeren Maße der Auswaschung, da Pflanzenwurzeln und Ton-Humus-Komplexe zur Bindung der Nährstoffe zerstört sind.
Kronenfeuer: Entstehen, wenn für Bodenfeuer genügend Material vorhanden ist, so dass diese in den Kronenbereich hochschlagen können.
Vollfeuer: Kombination aus Boden- und Kronenfeuer haben in der Regel den Tod der betroffenen Bestände Folge, da Blatt-/Nadelmasse und Knospen zerstört werden.
Beim Flugfeuer werden brennende Teile (z. B. Rinde, Gräser, Zapfen, Humus) vom heißen Luftsog mitgerissen. Sie können Entfernungen von mehreren hundert Metern überwinden und dort neue Brände entfachen. In Amerika und Australien wurden sogar Flugfeuerentfernungen von mehreren Kilometern festgestellt.
Mangelnde Pflege, heiße Temperaturen und viele Ausbruchsstellen fördern die Entwicklung von Großbränden!
Bekämpfung
Das größte Problem bei Waldbränden ist neben Wassermangel meist die Unzugänglichkeit des Gebietes. Mit Relaisleitungen, faltbaren Wasserbehältern oder auch mit Hilfe aus der Luft wird das kostbare Nass zum Brandherd gebracht. Aus luftiger Höhe sind Brandherd und Laufrichtung wesentlich leichter zu erkennen. Durch gezielte Abwürfe aus der Luft werden nicht nur die Herde bekämpft, sondern vor allem die Ränder geschützt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Ein billiges und im Wald zur Verfügung stehendes Löschmittel ist Sand bzw. Erde. Die Bodendecke muss dabei allerdings soweit abgegraben werden, bis man vom brennbaren Humus zum Mineralboden gelangt (sehr personalintensiv).
Chemie
Chemikalien werden in unseren Breiten selten zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt. In den USA werden chemische Zusätze zum Löschwasser jedoch häufig verwendet. Polymere etwa "verflüssigen" das Wasser und verringern damit den Druckverlust bei langen Wasserförderstrecken. Tenside setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und erhöhen damit die Benetzungsfähigkeit des Wassers. Retardants umhüllen den brennbaren Bodenbewuchs und gehen eine chemische Reaktion mit dem Brandgut ein. Die Bildung von Holzteeren - Hauptenergiequelle für das Feuer - wird verhindert, die thermische Zersetzung beginnt bereits bei niedrigen Temperaturen ohne Flammenbildung. Schaum setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab, benetzt das Brandgut und trennt es vom umgebenden Luftsauerstoff. Class A Foam wird in Nordamerika und mittlerweile auch in Europa verstärkt als Barriere bei Waldbränden eingesetzt.
Brandursachen
In den seltensten Fällen kann die Ursache eines Waldbrandes rekonstruiert werden. Zu viele Möglichkeiten gibt es, die eine Entzündung bewirken: Selbstentzündung Unachtsamkeit, Funkenflug von Fahrzeugen bis hin zum klassischen Brand nach der Silvesterknallerei und vorsätzlicher Brandstiftung. Der Appell an die Vernunft der Waldbenutzer bleibt eines der wenigen Mittel zur Brandverhütung.
Literatur:
Peter Lex, Bekämpfung von Waldbränden, Moorbränden, Heidebränden, Verlag W. Kohlhammer, Deutschland 1996
K. Mißbach, Waldbrand, Verhütung und Bekämpfung, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin, 1982
www.feuerwehrobjektiv.at
www.wald.de
Gespräch mit Prof. Hartmut Gossow, Institut für Wildbiologie. Universität für Bodenkultur, Wien
Entstehung und Ausbreitung
Waldbrände beginnen durch Zündung am Boden. Dessen Bewuchs und Streuauflage kann je nach Klima, Standort und Bestandstyp ganz unterschiedlich sein. Grundsätzlich gilt: je ärmer der Boden und je trockener das Klima, desto stärker ist die Waldbrandgefahr. In unseren Breiten besonders gefährdet sind Wälder mit trockenem Gras als Bodenflora, was die Zündung und schnell laufende Bodenfeuer begünstigt. Ökologisch gesehen gibt es eine Reihe von Naturwäldern, für die Feuer ein natürlicher Faktor ist. Am besten an Feuer angepasst sind verschiedenen Kiefern- und Eukalyptus-Arten in Nord- und Mittelamerika bzw. Australien.
Die verschiedenen Arten von Waldbränden haben auch unterschiedliche ökologische Auswirkungen:
Erdfeuer: Schwelbrände im Boden, die vor allem bei angehäufter organischer Auflage z.B. Torf entstehen. Da sie unterirdische Organe (Wurzeln) der Bäume und Samen zerstören, sind sie in ihren Auswirkungen am schlimmsten.
Boden- oder Lauffeuer: Verbrennung der Streu und oberirdische Teile der Pflanzen. Ob auch Bäume getötet werden, hängt von deren Rindenstärke ab. Durch die Verbrennung der Streu wird der Prozess der Minaralisierung beschleunigt. Die mineralisierten Nährstoffe unterliegen in stärkeren Maße der Auswaschung, da Pflanzenwurzeln und Ton-Humus-Komplexe zur Bindung der Nährstoffe zerstört sind.
Kronenfeuer: Entstehen, wenn für Bodenfeuer genügend Material vorhanden ist, so dass diese in den Kronenbereich hochschlagen können.
Vollfeuer: Kombination aus Boden- und Kronenfeuer haben in der Regel den Tod der betroffenen Bestände Folge, da Blatt-/Nadelmasse und Knospen zerstört werden.
Beim Flugfeuer werden brennende Teile (z. B. Rinde, Gräser, Zapfen, Humus) vom heißen Luftsog mitgerissen. Sie können Entfernungen von mehreren hundert Metern überwinden und dort neue Brände entfachen. In Amerika und Australien wurden sogar Flugfeuerentfernungen von mehreren Kilometern festgestellt.
Mangelnde Pflege, heiße Temperaturen und viele Ausbruchsstellen fördern die Entwicklung von Großbränden!
Bekämpfung
Das größte Problem bei Waldbränden ist neben Wassermangel meist die Unzugänglichkeit des Gebietes. Mit Relaisleitungen, faltbaren Wasserbehältern oder auch mit Hilfe aus der Luft wird das kostbare Nass zum Brandherd gebracht. Aus luftiger Höhe sind Brandherd und Laufrichtung wesentlich leichter zu erkennen. Durch gezielte Abwürfe aus der Luft werden nicht nur die Herde bekämpft, sondern vor allem die Ränder geschützt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Ein billiges und im Wald zur Verfügung stehendes Löschmittel ist Sand bzw. Erde. Die Bodendecke muss dabei allerdings soweit abgegraben werden, bis man vom brennbaren Humus zum Mineralboden gelangt (sehr personalintensiv).
Chemie
Chemikalien werden in unseren Breiten selten zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt. In den USA werden chemische Zusätze zum Löschwasser jedoch häufig verwendet. Polymere etwa "verflüssigen" das Wasser und verringern damit den Druckverlust bei langen Wasserförderstrecken. Tenside setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und erhöhen damit die Benetzungsfähigkeit des Wassers. Retardants umhüllen den brennbaren Bodenbewuchs und gehen eine chemische Reaktion mit dem Brandgut ein. Die Bildung von Holzteeren - Hauptenergiequelle für das Feuer - wird verhindert, die thermische Zersetzung beginnt bereits bei niedrigen Temperaturen ohne Flammenbildung. Schaum setzt die Oberflächenspannung des Wassers herab, benetzt das Brandgut und trennt es vom umgebenden Luftsauerstoff. Class A Foam wird in Nordamerika und mittlerweile auch in Europa verstärkt als Barriere bei Waldbränden eingesetzt.
Brandursachen
In den seltensten Fällen kann die Ursache eines Waldbrandes rekonstruiert werden. Zu viele Möglichkeiten gibt es, die eine Entzündung bewirken: Selbstentzündung Unachtsamkeit, Funkenflug von Fahrzeugen bis hin zum klassischen Brand nach der Silvesterknallerei und vorsätzlicher Brandstiftung. Der Appell an die Vernunft der Waldbenutzer bleibt eines der wenigen Mittel zur Brandverhütung.
Literatur:
Peter Lex, Bekämpfung von Waldbränden, Moorbränden, Heidebränden, Verlag W. Kohlhammer, Deutschland 1996
K. Mißbach, Waldbrand, Verhütung und Bekämpfung, VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin, 1982
www.feuerwehrobjektiv.at
www.wald.de
Gespräch mit Prof. Hartmut Gossow, Institut für Wildbiologie. Universität für Bodenkultur, Wien